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Aktuelle Infos ab Oktober 2004
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Suchtprobleme, Drogen: Initiativen, Selbsthilfegruppen, Substitutionspass, Links, ...

Zwerisberg bei St.Märgen am 20.5.2011: Blick nach Norden übers Oberibental - Wiesenschaumkraut und Löwenzahn
Zwerisberg bei St.Märgen am 20.5.2011: Blick nach Norden übers Oberibental - Wiesenschaumkraut und Löwenzahn.

Blick oben am Kessler Hang nach Süden zum Altenvogtshof am 23.10.2004

 

 

Frauenzimmer Freiburg - zehnjähriges Bestehen

Suchtkranke Frauen sind von außen oft als solche nicht erkennbar / 863 Frauen zwischen 14 und 80 Jahren kamen im vergangenen Jahr in die Suchtberatungsstelle

Die junge Frau spricht leise und abgehackt, mit gesenktem Blick. Nervös verhakeln sich ihre Finger ineinander. Dabei klingt, was Anne Maier (Name geändert) zu erzählen hat, eigentlich ganz unspektakulär und hat so gar nichts zu tun mit dem, was sich als Vorstellung von einer Suchtkarriere in den Köpfen festgesetzt hat: Verwahrlosung, Leben auf der Parkbank, die Flasche immer in Reichweite. Die 32-Jährige wurde stutzig, dass sie jedes Mal, wenn sie am Wochenende mit Freunden loszog, betrunken nach Hause kam. "Ich wusste, ich schlage über die Stränge, und bekam Angst vor mir selbst." Schon während der Schule habe das angefangen. Sehr schüchtern sei sie gewesen. "Das Trinken machte mich lockerer." Dass sie das Abitur schaffte, wertete sie mehr als "Wunder" denn als eigenes Verdienst. Später fiel ihr auf, dass sie auch ihr Essverhalten nicht mehr im Griff hatte. "Es wurde immer wieder gefährlich." Mehr als zehn Jahre dauerte es, bis sie, als Erzieherin inzwischen arbeitslos geworden, Hilfe suchte.
Damit ist sie eine typische Vertreterin jener 863 Frauen zwischen 14 und 80 Jahren, die im vergangenen Jahr auf die Angebote der Suchtberatungsstelle "Frauenzimmer" zurückgriffen, die am vergangenen Freitag in der Aula der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule in Anwesenheit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing ihren zehnten Geburtstag feierte. "Frauenzimmer" -Leiterin Bärbel Köhler weiß: "Es ist der Fluch und die Stärke von suchtkranken Frauen, dass sie nach außen nicht erkennbar sind." Die Sucht dient ihnen nach den Erfahrungen der Diplom-Psychologin häufig jahrzehntelang als Überlebensmittel: "Sie wollen durchhalten, um sozial integriert zu bleiben." Auch wenn ihnen das Leben schon längst über den Kopf gewachsen ist und sie von Depressionen und einem geschrumpften Selbstwertgefühl geplagt werden. Gestandene Landfrauen aus den umliegenden Weingegenden gehören ebenso zur Klientel von "Frauenzimmer" wie Studentinnen oder vernachlässigte Ehefrauen. 80g Prozent haben sexuelle oder psychische Gewalterfahrungen, auch wenn diese eher beiläufig zur Sprache kommen. Anne Maier etwa hält sich für wohl behütet aufgewachsen — mit einem "strengen Vater, der auch mal zugeschlagen" hat. 50 Prozent der Klientinnen kommen wegen Essstörungen, 35 Prozent wegen Alkohol, nur wenige sind von illegalen Drogen abhängig. Rasant zugenommen habe die Zahl der AlgII-Empfängerinnen. "Es gibt Besonderheiten weiblichen Suchtverhaltens in der Art der Sucht, dem Suchtverlauf und den Ursachen, die mit den Lebensumständen und den Erfahrungshintergründen von Frauen in Zusammenhang stehen" , sagt Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Frauenzimmer-Vorstandsfrau Christa Armbruster betrieb deshalb vor zehn Jahren zusammen mit Gleichgesinnten die Gründung einer Suchtberatungsstelle nur für Frauen. Sie bietet Einzelberatung, vermittelt in ambulante und stationäre Therapie, kümmert sich um die Nachsorge nach einem Klinikaufenthalt und begleitet schwerst abhängige Frauen im Alltag. Ein differenziertes Gruppenangebot ergänzt die Einzelbehandlungen. Nach sieben Wochen Klinikaufenthalt fühlt Anne Maier sich von ihrer Sucht geheilt. In einer tanztherapeutischen Gruppe bei "Frauenzimmer" hat sie Geschlechtsgenossinnen mit einer ähnlichen Geschichte getroffen, mit denen sie sich auch privat trifft. Und in einem Gruppentraining hilft sie ihrem Selbstwertgefühl auf die Sprünge. Denn "das ist erlernbar wie Fahrradfahren" , sagt die Gruppenleiterin. "Man muss es einfach üben."

Anita Rüffer, 17.10.2006, www.badische-zeitung.de

 

 

Trockene Trinker arbeiten als ehrenamtliche Suchthelfer

Menschen mit Alkoholproblemen suchen die Hilfe der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle in Müllheim

Die Zahl der Klienten der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle AGJ, dem Fachverband für Präventation und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg, steigt jedes Jahr um zehn Prozent. Nicht weil mehr Alkohol getrunken wird, sondern weil das Thema wegen zunehmender Probleme im Umfeld früher erkannt und weniger tabuisiert wird. Dies ist zurückzuführen auf die Aufklärungsarbeit der Beratungsstelle. Die Fachstelle hat ihren Sitz in Müllheim — eine Außenstelle befindet sich in Breisach — und wird von Horst-Dieter Bolanz geleitet. Sie ist zuständig für Menschen mit Suchtproblemen, vor allem für Alkoholkranke, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, der an die 250 000 Einwohner zählt. Im Vorjahr gab es 2205 Kontaktgespräche. Intensiver betreut wurden 518 dieser Menschen mit Alkoholproblemen. Neben Medikamentenmissbrauch und Ess-Störungen ist das Hauptproblem der Alkohol. Die Krankheit wird oft erst erkannt, wenn der Arbeitsplatz in Gefahr ist. 46 Prozent der Klienten waren berufstätig, 29 Prozent erwerbslos und 22 Prozent Hausfrauen, Schüler und Rentner.

Alkoholprobleme gibt es vorrangig unter den 40- bis 60-Jährigen. Betroffen sind aber zunehmend auch Schüler, weshalb Suchtprävention in Schulen Schwerpunkt der präventiven Arbeit ist. Immer mehr Betroffene — im Vorjahr 15 Prozent — nehmen aus eigener Motivation Kontakt mit der Fachstelle auf. Andere werden von Ärzten und Krankenkassen vermittelt. 2005 haben 13 Prozent des Klientels nach Abschluss der stationären Rehabilitation auch Nachsorgeangebote angenommen, freut sich Bolanz. Er ist froh, dass der Kreistag seine Zuschüsse für das laufende Jahr — nach der Kürzung im vergangenen Jahr — wieder erhöht hat. Dies sei notwendig, weil der Mitarbeiterstab angesichts der zunehmenden Arbeit unbedingt gehalten werden müsse. Neu sind Schulungen für Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Landratsamt/Arbeitsverwaltung für Hartz IV nach dem Konzept der Psychosozialen Beratungsstelle. Die Vermittler und Fallmanager werden für den Umgang mit abhängigen Menschen geschult, denn sie müssen kontrollieren, ob die Betroffenen (oft Hartz-IV-Empfänger) Therapien wahrnehmen. Falls nicht, droht eine Kürzung der Unterstützung um 30 Prozent. Da sich der Einsatz von ehrenamtlichen Suchthelfern bewährt hat, wird auch für diese eine fundierte Ausbildung in der Fachstelle angeboten. Geschult werden ehemals Abhängige, die stabil sind. 2005 wurden 16 Leute verschiedener Träger zwischen Heidelberg und Konstanz in Müllheim ausgebildet. Als "Ehemalige" haben sie den besten Zugang zu Abhängigen und leiten deshalb Selbsthilfegruppen. Seit Beginn des Jahres 2006 läuft ein weiteres Projekt in Kooperation mit dem Landesverband BLV, nämlich der Konziliardienst in der Klinik Dr. Lay in Vogtsburg-Bischoffingen. Dort werden viele Alkoholkranke entgiftet. Die Fachstelle sucht Patienten in der Klinik auf: "Frühintervention, bevor das Kind ganz in den Brunnen gefallen ist" , sagt dazu Horst-Dieter Bolanz. Eine gute Erfolgsquote für den Führerscheinwiedererwerb hätten die Seminare der AGJ für die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), sagt Horst Dieter Bolanz. Wer generell Probleme mit Alkohol hat, wiederholt oder erstmals mit über 1,6 Promille am Steuer erwischt wurde, kann sich an die Beratungsstelle, Telefon 07631/5015 wenden oder ein E-Mail senden an: psb-muellheim@agj-freiburg.de 

Badische Zeitung Freiburg
Sigrid Umiger, 13.9.2006, www.badische-zeitung.de

 

Nachsorgeverbund für Abhängige: Betreutes Wohnen hilft zurück ins Leben

Dasein und zuhören und respektiert zu werden. Das baut Menschen wieder auf, wenn sie am Boden sind — "richtig in der Scheiße" , sagt Winfried Dargel, und der 54-Jährige weiß, wovon er spricht: 35 Jahre alkoholabhängig, 15 Jahre obdachlos. 18 Monate ist er nun schon "trocken" , kein Tropfen Alkohol, und seit acht Monaten lebt er in einer Wohngemeinschaft des "Nachsorgeverbunds für Abhängige" , eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO), im Günterstaler Torbogen. Seit 25 Jahren hilft der Verbund alkoholabhängigen Menschen zurück ins "normale Leben" zu finden.
Mehr von Marcus Surges vom 16.8.2006, www.badische-zeitung.de

Nachsorgeverbund für Abhängige Träger: AWO
Freiburg-Günterstal, Torplatz 2, Tel 0761/29877

 

Hilfe per PC im Kampf gegen Cannabis

Drogenhilfe Freiburg beteiligt sich als einzige Einrichtung ihrer Art im Land an einem Pilotprojekt

Karin konsumiert Cannabis, bei einer Party ist sie zum ersten Mal an das Zeug geraten. Zu Hause hat bisher noch keiner was davon bemerkt. Doch die 15-Jährige will wieder weg von dem Stoff. Vor allem, ehe ihre Eltern von der Sucht ihrer Tochter erfahren. In dieser Situation kann ihr ein neues Angebot der Jugend- und Drogenberatungsstelle "Drobs" der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Freiburg helfen. Kernstück der Hilfe ist von Montag, 10. Juli, an per Internet ein Beratungsprogramm. Es begleitet Ausstiegswillige 50 Tage lang individuell und unterstützt sie gerade dann, wenn sie es schwer haben mit ihrer Sucht. Wer loskommen will vor allem von Cannabis, wählt deshalb Drugcom.de  und gelangt so zum speziellen Programm "Quit the shit" . Jack Huttmann, Geschäftsführer der AWO, die die Freiburger Drogenhilfe trägt, übersetzt das drastisch und so, wie viele Süchtige ihre Lage empfinden: "Raus aus der Scheiße" .
Drobs-Chefin Jeanette Piram macht den Ausstiegswilligen Mut. Sie sollen jeden Tag, aber völlig anonym, weil unter einem Nickname, den Betreuern übers Internet anvertrauen, was sie konsumiert haben und wie viel. Und vor allem: In welcher Stimmung, aus welchem Anlass. Das gibt den Betreuern — Jeanette Piram selbst, einer Kollegin und ehrenamtlich tätigen Experten, die sich für die Ausstiegsberatung per Internet speziell schulen ließen — die Möglichkeit, ebenfalls chattend vor allem den jungen Menschen zu raten, wie sie von Cannabis leichter loskommen können. Gerade ihrer langjährigen Erfahrung an der Drogenfront verdankt die Freiburger Drogenberatungsstelle, die jährlich weit mehr als 1000 Süchtige betreut, den Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln, als einzige Einrichtung dieser Art in Baden-Württemberg an diesem Pilotprojekt mitzuwirken.
Nach den 50 Tagen, die das kostenlose Ausstiegsprogramm "Quit the shit" für jeden Teilnehmer läuft, sollte Karin clean geworden sein — im Idealfall. Wer es nicht schafft, in der Anonymität des interaktiven Beratungsprogrammes aus dem Cannabiskonsum auszusteigen, muss nichts aufgeben: "Er oder sie kann" , sagt Jeanette Piram, "gerne bei uns auch vorbeikommen." Ihre Helfer finden die Cannabis-Süchtigen im Haus Faulerstraße 8 (Hinterhof) in Freiburg, (0761)/33511

Badische Zeitung Freiburg
8.7.2006 auf www.badische-zeitung.de

 

 

Wichtig, stark und stolz: Arbeitsgruppe gegen Kriminalität und Drogen

“Wir wollen die Alphatiere” , erklärt Jeanette Piram, Leiterin der Drogenhilfe Freiburg. “Unser Ansatzpunkt ist die direkte Einflussnahme innerhalb der Jugendcliquen.” Seit sieben Jahren widmet sich die Arbeitsgruppe “Wichtig, stark und stolz” im Stadtteil Stühlinger erfolgreich der präventiven Sucht- und Kriminalitätsbekämpfung. Zu einer Infoveranstaltung mit Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach wurde nun ins Jugendzentrum “Letz-Fetz” geladen.

Begonnen hat alles mit einem Anruf bei der Jugend- und Drogenberatung DROBS: “Ihr müsst hier was machen” , so der eindringliche Rat der Polizei. Im Stadtteil Stühlinger hatten sich immer mehr Jugendcliquen gebildet, die durch unsoziales Verhalten und Drogenkonsum auffielen. Die für den Stadtteil zuständigen Sozialarbeiter versuchten vergeblich, die Jugendlichen zu einer Änderung ihres Verhaltens zu bewegen.
Wenn sich hier wirklich etwas ändern sollte, musste man sich um die Jugendlichen kümmern, noch bevor “das Kind in den Brunnen gefallen ist” , so Piram. So entstand 1999 die Arbeitsgruppe “Wichtig, stark und stolz. Heute verantworten Norman Glaesner und Susanne Kissing (Jugendzentrum “Letz-Fetz” ), Jeanette Piram (DROBS), Heike Palmer (Hebelschule), Reiner Müller (Jugendgerichtshilfe der Stadt Freiburg) und Manuela Buttenmüller (Jugendsachbearbeiterin der Polizei) das Projekt. Zielgruppe des Projekts sind die Siebtklässler der Hebelschule. Neben der Aufklärung über die Gefahren des Rauschgiftkonsums gehören auch gemeinsame Ausflüge zum Präventionsprogramm: Beim Besuch auf einem Pferdehof lernen die Kinder, mit Vertrauen auf ein anderes Lebewesen zuzugehen. Sport und Entspannung sind bessere Möglichkeiten, Stress abzubauen, als seine Aggressionen an anderen auszulassen. Da nicht alle Schüler eines Jahrgangs so intensiv betreut werden können, nehmen nur je acht Kinder am Projekt teil. “Ausgewählt” , so Jeanette Piram, “werden diejenigen unter den Bewerbern, die in ihrem sozialen Umfeld eine Vorbildfunktion ausüben. ” Das Konzept setzt darauf, dass ein positives Verhalten der sogenannten Alphatiere von den Gleichaltrigen wie selbstverständlich übernommen wird und somit das Erlernte auf spielerische Weise an die anderen weitergegeben wird. Den praktischen Erfolg dieses Ansatzes sehen die Mitarbeiter des Freiburger Projekts durch ihre Erfahrungen bestätigt. Das Konzept lebt von der Einsatzfreudigkeit der Mitarbeiter und von seiner Langfristigkeit. Die Finanzierung haben mittlerweile der “Bürgerverein Freiburg und der Verein “Sicheres Freiburg” übernommen. Auch der Landesjugendplan (zentraler Förderfonds des Landes Baden-Württemberg für Jugendarbeit) und private Spender steuern Gelder bei.
In anderen Freiburger Stadtteilen konnten sich vergleichbare Konzepte bisher nicht halten. Zwar ist auch Heike Palmer, Lehrerin an der Hebelschule, bisweilen “enttäuscht und resigniert” angesichts des mangelnden Interesses ihrer Kollegen an dem Projekt. “Drogenprävention ist bei uns an der Schule ein Stiefkind” , stellt sie bedauernd fest. Doch wird dies im Stühlinger durch das Engagement der Sozialarbeiter im Jugendzentrum ausgeglichen. Dessen Leiter Norman Glaesner sieht in dem Präventionsprojekt den “Schwerpunkt bei uns im Haus.”

Juliane Schroeter , 20.5.2006

 

Drogenberatungsstelle Kobra hat 2005 knapp 900 Abhängige beraten

Freiburg/Müllheim/Breisach/Titisee-Neustadt. Wer Drogen konsumiert, schadet nicht nur seiner Gesundheit, sondern auch der Familie, hat Probleme mit Arbeitgeber und Vermieter und oft auch mit der Polizei. Wege aus dem Drogen-Teufelskreis zeigt die Beratungsstelle “Kobra” (Kontakt- und Beratungstelle für Drogenprobleme) auf, eine Einrichtung der AGJ, des Fachverbandes für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg.

Leiterin der “Kobra” Müllheim mit Außenstellen in Breisach, Titisee-Neustadt und Freiburg, ist seit Juli 2005 die Sozialpädagogin Katharina Braun, die jetzt ihren Jahresbericht vorlegte. Sie berichtet über deutlich erhöhte Klientenzahlen. Im zurückliegenden Jahr fanden 2586 Einzel- und 240 Gruppengespräche statt, sowie 140 Partner- und Familienkontakte. 59 Klienten wurden in Fachkliniken zur stationären Rehabilitation vermittelt, was mit zunehmendem bürokratischen Aufwand verbunden sei, so Braun. Dies liege an der restriktiven Genehmigungspraxis der Kostenträger und den Veränderungen hinsichtlich der sozialrechtlichen Zuständigkeit.
Kontaktiert wurde Kobra im Jahr 2005 von 884 Klienten. Regelmäßig beraten wurden insgesamt 407 Personen, von denen 297 im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald leben, die anderen in der Justiz-Vollzugsanstalt (JVA) Freiburg. Bei 61 Prozent der Patienten konnte durch die Therapie nach eigener Aussage die Lebenssituation deutlich verbessert werden. Durch Substitutionsmaßnahmen (Methadon-Programm) entfällt die Beschaffungskriminalität und Beziehungen zum Partner, Arbeitgeber und Vermieter stabilisieren sich.
Auch andere Zahlen lassen den Erfolg der Therapie erkennen: 23 Drogenkonsumenten konnten wieder eine Vollzeitbeschäftigung nachgehen, von 93 Arbeitslosen und Arbeitssuchenden blieben zum Jahresende nur noch 63 übrig. Von 120 Personen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen waren, konnten sich 26 nach der Therapie auch finanziell selbst helfen. Dies zeige, so Katharina Braun, dass Kobra auch eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion erfülle.
Das hat auch der Kreistag erkannt und die im Mai 2005 drastisch gekürzten Mittel Ende des Jahres wieder aufgestockt. Der Stand von 2004 wurde damit zwar nicht erreicht, aber die Kobra-Hauptstelle in Müllheim war wieder in der Lage, deutlich flexibler zu agieren. Im März 2005 konnte eine Außenstelle in Freiburg eröffnet werden. Dies war dringend notwendig, weil die frühere Außenstelle Gundelfingen vor zwei Jahren geschlossen werden musste und deshalb Abhängige aus dem Raum Freiburg keine nahe liegende Anlaufstelle hatte.
Hauptsuchtmittel der Kobra-Patienten sind Opiate (Heroin und Ersatzstoffe). Danach folgen Cannabis (Haschisch), vor allem bei Jugendlichen, und Kokain. Der Altersschwerpunkt liegt zwischen 25 und 40 Jahren und es sind überwiegend Männer, die von illegalen Drogen abhängig sind. Für andere Probleme wie Alkoholmissbrauch, Essstörungen und Medikamentenmissbrauch ist — ebenfalls in der AGJ — die Psychosoziale Beratungsstelle zuständig. Allerdings spielt der Alkohol auch bei Mehrfachabhängigen eine große Rolle und ist deshalb auch bei Kobra ein Thema.
Maßgeblich unterstützt wird die Arbeit der Beratungsstelle durch die neue Selbsthilfegruppe “Open Panthers” , die von Marco von Manowski geleitet wird. Die offene Gesprächsgruppe trifft sich jeden Donnerstag von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Kobra Müllheim, Moltkestraße 1. Die Gruppe gehört zur “Ex-User-Support-Group” (EUSG), einem Selbsthilfeverein mit mehreren Selbsthilfegruppen in Freiburg. Schwerpunkte der Arbeit sind Gespräche und Erfahrungsaustausch sowie Freizeitaktivitäten. Infos erteilt Kobra, Telefon 07631/5017 oder Marco von Manowski, Handy 0173/6647217.
Gut genutzt werden die neu eingerichteten offenen Sprechzeiten in Müllheim, montags 14 bis 18 Uhr, sowie donnerstags und freitags 10 bis 12 Uhr. Wer Kobra unterstützen will, kann dies mit Spenden an den Förderverein tun (Volksbank Müllheim, BLZ 68091900, Konto 10707, Spendenbescheinigungen werden ausgestellt).

Badische Zeitung Freiburg
Sigrid Umiger, 21.4.2006 auf www.badische-zeitung.de

 

Schwerpunktpraxis für Drogenabhängige seit 10 Jahren

Herbe Verluste für die Drogenmafia / Während der vergangenen zehn Jahre haben gut 2500 suchtkranke Menschen in der Schwerpunktpraxis Hilfe gesucht

Diese Praxis ist sieben Tage in der Woche geöffnet. 365 (manchmal auch 366) Tage im Jahr. Und das seit zehn Jahren. In dieser Zeit hat diese Praxis nach eigenen Angaben der internationalen Drogenmafia einen Schaden in Höhe von etwa 15 Millionen Euro zugefügt. Hier, in der Rheinstraße 34, nämlich werden Tag für Tag ungefähr 125 Männer und Frauen mit Heroinersatzstoffen wie Methadon versorgt.

Als Rüdiger Gellert die Freiburger Schwerpunktpraxis für Drogenabhängige Anfang April 1996 eröffnete, gab es in der Stadt keineswegs nur Freudentänze. Heute kann der Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie Zahlen für sich und sein Team (Arzthelferinnen, Suchtberaterinnen, Aushilfs- und Reinigungskräfte, Vertretungsärzte) sprechen lassen. Mehr als 2500 suchtkranke Menschen zwischen 16 und 57 Jahren haben bisher in der Praxis Hilfe gesucht. Sie bekamen hier insgesamt fast 3000 Liter Methadon und einiges an Subutex, einem anderen Ersatzstoff — diese Menge in Heroin umgerechnet, hätte einen Schwarzmarktwert von 22 Millionen Euro. Und weil, sagt Rüdiger Gellert, “mindestens 70 Prozent unserer Patienten weitgehend drogenab stinent leben” , gehen der Drogenmafia eben jene Millionen durch die Lappen.

Wichtiger ist ihm allerdings, dass während der vergangenen fünf Jahre kein Patient der Schwerpunktpraxis gestorben ist. Ein Erfolg für den Arzt und sein Team, dessen erklärtes Ziel es ist, gesundheitliche und soziale Schäden zu verringern und ein drogenfreies Leben aufzubauen. Mit Hilfe des Ersatzstoffs Methadon. “Es gibt Menschen, die brauchen das zum Leben” , sagt Rüdiger Gellert, “ich vergleiche es inzwischen mit Insulin.”  Uta ist eine von ihnen. 27 Jahre war sie alt, als sie im Oktober 1996 zum ersten Mal in die Schwerpunktpraxis kam. Da waren ihre beiden Kinder acht und zehn. Sie selbst hatte — angefixt durch die Geschichte von Christiane F. “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” — mit 13 Jahren zum ersten Mal gekifft, zwei Jahre später angefangen, Heroin zu spritzen. “Vor zehn Jahren hab´ ich dann gemerkt, jetzt passt nichts mehr.” Dazu die Angst, Sohn und Tochter könnten ihr weggenommen werden. Heute, sagt sie, “habe ich keine Angst, solange ich Methadon habe” . Mittlerweile hat sie einen festen Arbeitsplatz. “Natürlich bin ich froh, dass ich es geschafft hab - aber es dauert seine Zeit.” Genau die hatte Uta während ihrer Fixer-Zeit nicht. “Da ist man den ganzen Tag beschäftigt, Geld zu besorgen.” Gut 100 Euro braucht ein Fixer täglich, um seine Suchtkrankheit auszuhalten. Und dieses Geld beschafft er sich mit Straftaten, weiß Peter Egetemaier. Wird Heroin jedoch mit Methadon ersetzt, brauchen die Drogenkranken nicht noch zusätzlich kriminell zu werden. Wobei der Leiter der Freiburger Kriminalpolizei beobachtet, dass die tolerierte “offene Szene” keine Sogwirkung hat, die Zahl der schwer Drogenabhängigen in der Stadt mit 1000 bis 1500 über all die Jahre vielmehr etwa gleich geblieben ist. Was Christoph von Ascheraden kaum verwundert. “Diese Gesellschaft funktioniert nur mit extremer Anspannung der seelischen Kräfte” , erklärt der Vizepräsident der Bezirksärztekammer Südbaden und Suchtbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung, “den Wechsel von Leistung, Belohnung und Bestrafung können viele nicht ohne stoffliche Hilfe bewältigen - und Suchtmittel sind allgegenwärtig.”  Für Rüdiger Gellert ist es daher auch keine Frage: “Wir arbeiten vorbeugend mit dem, was wir hier tun - denn wenn einer aufhört, wirkt das auf andere.” Uta hat es geschafft. “Ich bin wirklich gern hier.” Das tut dem Mediziner sichtlich gut, der auch manche Anfeindung erlebt und dennoch als sein wichtigstes Ziel nennt: “Ich bin als Arzt zufrieden, wenn einer sagt, ich komme mit meinem Leben wieder klar.” Dafür lohnt es sich schon, beratend und begleitend da zu sein, die Schwerpunktpraxis eben 365 (manchmal auch 366) Tage im Jahr zu öffnen.

Badische Zeitung Freiburg
Gerhard M. Kirk, 7.4.2006 auf www.badische-zeitung.de


 

 

 

blv-Suchtberatung jetzt über eMail sowie Forum

Das Angebot des blv sucht neue Personengruppen zu erreichen: kostenlos, anonym, unverbindlich und schnell

“Hallo Beratungsteam, zuerst möchte ich mich recht herzlich für Ihre Antwort bedanken. Ich denke, dass ich den ersten Schritt getan habe. Ich habe jetzt auch meinem Mann von meinem Problem erzählt. Er wusste zwar, dass ich regelmäßig trinke, hat es aber immer seltener angesprochen, da ich dann aggressiv reagierte.” So oder so ähnlich antworten Personen, wenn sie sich über die E-Mail-Suchtberatung des Badischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation e.V. (blv) Rat und Tipps geholt haben, wie sie ihre persönliche Situation als Betroffener oder Angehöriger angehen können.
Der E-Mail-Postkasten unter der Adresse suchtberatung@blv-suchthilfe.de wird von den Suchtberatungsstellen des blv betreut. Die Beratungsteams bemühen sich, innerhalb von 48 Stunden zu antworten. Auf Anfrage erhalten die Ratsuchenden auch Anschriften von Beratungseinrichtungen. In den vergangenen Wochen beantwortete das blv-Team aus Freiburg die Fragen der Ratsuchenden.
Parallel zur E-Mail-Beratung gibt es auch ein Diskussionsforum unter www.blv-suchthilfe.de. Hier können sich die Nutzer frei zum Thema Sucht oder Suchtvorbeugung äußern oder sich bei anderen “Gleichgesinnten” informieren. Die Vorteile der E-Mail-Suchtberatung und des Diskussionsforums liegen auf der Hand: Die Beratung und Information ist kostenlos, anonym, unverbindlich und schnell. Es werden auch Personengruppen erreicht, die unter normalen Umständen keinen Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen hätten. Allerdings kann eine E-Mail-Beratung kein persönliches Gespräch in einer Beratungsstelle ersetzen und auch keinen Ersatz für eine Psychotherapie darstellen. Dennoch bietet dieser neue Weg in der Suchtkrankenhilfe für den einen oder anderen eine Möglichkeit, um sich den ersten Schritt aus der Sucht zu erleichtern.
BZ vom 31.1.2006

www.blv-suchthilfe.de oder suchtberatung@blv-suchthilfe.de

 

 

Der Staat bekämpft die Sucht und profitiert von ihr - Widerspruch?

Bei vielen Süchten, beim Glücksspiel, bei Alkohol und Nikotin, ist der Staat Dealer, Polizist und Therapeut in einem - eine schizophrene Mischung, die nicht gut gehen kann. Sie geht auch nicht gut. Aber die Alternative, eine Liberalisierung des Marktes, wie sie zum Beispiel die Glücksspielbranche gerne hätte, wäre noch schlimmer.

Jeder darf, darüber herrscht in einer modernen Gesellschaft Übereinstimmung, seine Gesundheit nach Gusto aufs Spiel setzen und Lebensrisiken eingehen, wie er will. Theoretisch. Aber nur, so weit er andere damit nicht schädigt. Dies ist, wenn jemand süchtig ist, stets der Fall. Also muss der Staat, der über Grundrechte wie das der körperlichen Unversehrtheit zu wachen hat, die Süchtigen vor sich selbst schützen und die Allgemeinheit vor den Süchtigen und den Folgen ihrer Sucht. Das geht nicht ohne Zwang. Denn während sich Konflikte unter vernünftigen Menschen pragmatisch mittels Kompromiss lösen lassen, ist Vernunft das Letzte, was erwartet werden kann, wenn ein Konfliktpartner süchtig ist.

Darum ist es völlig in Ordnung, dass ein Gericht eine Spielbank dazu verdonnert hat, die Verluste zweier spielsüchtiger Männer herauszurücken. Zwar hängen sich staatliche wie private Casinos bei solchen Gelegenheiten gerne das Mäntelchen des Verantwortungsbewusstseins um, tatsächlich aber werden die Spieler heftig umworben: “ Hier, in den Automaten-Spielsälen der West-Spiel-Casinos, können Sie Ihr blinkendes Wunder erleben!” , werben die Casinos, die jetzt verurteilt wurden, und locken: “ Lust auf ein Spielchen?”

Jede Gesellschaft muss - schwierig genug - das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Rechten und den Schutzinteressen anderer austarieren. Beim Glücksspiel, aber auch bei Alkohol und Tabak, kommt hinzu: Der Staat hat an der Sucht ein finanzielles Interesse. Das widerspricht seiner Aufgabe als Beschützer von Leib und Leben der Bürger. Er ist nun mal abhängig von Einnahmen und insofern selbst süchtig. Beim Thema Glücksspiel rechtfertigt er seine Oberaufsicht mit dem Argument: “ Wenn wir’ s nicht tun, tun’ s andere; dann wird alles nur noch schlimmer.” Das Internet, das auf Staatsgrenzen und Regeln pfeift, macht das Ganze nur noch komplizierter. Tatsache ist: Der Staat versucht, die private Glücksspielbranche zu gängeln und zockt selber ab. Und er ist stets in Versuchung, die eigenen Regeln zu übertreten.
Das ist fragwürdig, heuchlerisch bis unmoralisch. Nur: So lange gequalmt, gesoffen und gezockt wird, ist dies auch ein Geschäft. Es ist völlig in Ordnung, wenn der Staat dies zu regulieren versucht und davon profitiert, und sei es nur aus einem Grund: Die Folgekosten der Sucht bleiben an der Allgemeinheit hängen - so oder so. Schwer vorstellbar, dass ein Wettbüro auf den Bahamas der Familie eines deutschen Spielsüchtigen aus der finanziellen und psychischen Not heraushilft.
Alles vom 16.12.2005 auf www.bzol.de

 

Was ist Spielsucht?

Süchtig sein bedeutet, sich nicht mehr frei für oder gegen eine Sache entscheiden zu können. Süchtige sind von etwas abhängig. Abhängigkeit ist das Gegenteil von Freiheit und Selbstständigkeit. Es gibt viele Arten von Sucht. Manche Menschen sind abhängig von Alkohol oder Zigaretten. Es gibt Drogensucht, Kaufsucht oder auch Spielsucht. Mit Spielsucht meint man die Sucht nach Glücksspielen. Dazu gehören Spiele an den Automaten, die in vielen Kneipen aufgestellt sind oder auch die Spiele in der Spielbank. Nicht jeder Mensch, der gerne und oft spielt, ist spielsüchtig. Süchtig sind nur diejenigen, die nicht mehr aufhören können, bevor sie kein Geld mehr haben. Wenn sie gewinnen, spielen sie weiter, um mehr zu gewinnen. Wenn sie verlieren, spielen sie weiter, weil sie sich einbilden, sie könnten das verlorene Geld zurückgewinnen. Wie bei jeder Sucht leidet auch bei der Spielsucht die Familie mit. Spielsüchtige brauchen viel Geld und haben oft sehr hohe Schulden, die sie nicht mehr zurückzahlen können.
Südkurier vom 15.12.2005

 

Nichtraucherschutz in Freiburg wird besser

„Der Nichtraucherschutz in Freiburgs Gaststätten verbessert sich zunehmend.“ Zu diesem Ergebnis kommt Klaus Althoff, Geschäftsführer des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Bezirk Schwarzwald-Bodensee. Kein Wunder: So hatte sich die Dehoga dazu verpflichtet, dass bis März 2006 mindestens 30 Prozent aller Speisebetriebe 30 Prozent ihrer Plätze für Nichtraucher zur Verfügung stellen. Ein Jahr später sollen es dann sogar mehr als doppelt so viele sein.

Betroffen von der Regelung werden etwa 150 bis 200 Restaurants in Freiburg sein, schätzt Klaus Althoff. Ausgenommen von der so genannten „ Zielvereinbarung Nichtraucherschutz“ sind jedoch kleinere Cafés und Imbisse. Für den Vorsitzenden des Nichtraucher-Verein-Freiburgs, Viktor Frick, ist das unverständlich. Er hält es schon jetzt nur für eine Willenssache der Wirte, generell das Rauchen auch in kleineren Lokalen zu verbieten. „ Im Ausland ist es ja auch möglich.“ Frick wundert sich darüber, dass es in Freiburg nur ganz wenige solcher Lokale gibt, die komplett rauchfreie Räume anbieten.

Dazu gehören zum Beispiel Busses Waldschänke und das Altstadtcafé in der Gerberau. Hier darf schon seit mehr als zehn Jahren gar nicht mehr geraucht werden. Für Eberhard Schwippert, Betreiber des Altstadtcafés, eine Entscheidung aus Überzeugung: „ Im Interesse unserer Gäste und Mitarbeiter hatten wir uns zu diesem Schritt entschlossen.“ Am Anfang sei es schwer gewesen, doch mittlerweile ist Schwippert sehr zufrieden: „ Bestimmte Sachen kann man mit Geld einfach nicht kaufen.“ Da gehört für ihn auch unverqualmte Luft dazu. Und die Gäste danken es ihm. Bettina Ossendorf hat durch Zufall das Café entdeckt. Ihr gefällt das Konzept gut. „ Wo hat man denn sonst noch die Möglichkeit, in der Innenstadt auch mal ganz rauchfrei sitzen zu können?“ , fragt die 27-jährige Studentin. Der Schritt weg vom Rauch damals war für Schwippert nicht einfach. Zunächst verlor er viele Gäste. „ Die Umstellung hat uns viel Geld gekostet, aber am Ende hat sie sich doch ausgezahlt,“ berichtet er.

In gemischten Restaurants ist die Situation nicht ganz einfach. Zwar zeigen die (rauchenden) Stammgäste wohl meist Verständnis, aber trotzdem kommt es immer wieder zu Problemen, den Nichtraucherschutz durchzusetzen. So ist das Verbot auf Bankettveranstaltungen wie an Silvester nur schwer einzuhalten. Hansjörg Dattler, Gastronom und Vorsitzender des Freiburger Hotel- und Gaststättenverbandes, setzt an solchen Abenden dann auf die Vernunft und das Verständnis seiner Gäste: „ Oft ist einem Gast gar nicht bewusst, dass er sich gerade in einem Nichtraucherbereich aufhält. Wenn er es dann bemerkt, raucht der Gast seine Zigarette einfach vor der Tür fertig.“  Nach Dattlers Meinung lässt sich mit der freiwilligen Regelung der Dehoga mehr erreichen als mit einem Gesetz aus Berlin. In den größeren Freiburger Studentenkneipen ist eine Umsetzung allerdings schwer möglich. Hilmar Schäuble, Geschäftsführer des „ Schlappen“ ist von Idee wenig begeistert: „ In so einer großen Kneipe eine rauchfreie Zone zu schaffen, ist schwierig.“ Auch der Onkologe Jens Leifert sieht nur Sinn in Nichtraucherzonen, wenn sie sich komplett räumlich abtrennen lassen. „ Der Passivrauch wird auch in größeren offenen Räumen ungemindert aufgenommen und bleibt damit weiterhin gefährlich.“

Kontrolliert werden die Gaststätten mittels Umfragen. Klaus Althoff, Geschäftsführer der Dehoga, ist sich sicher, dass sich die Probleme von selbst erledigen werden. „ Unserer Erfahrung nach wird der Nichtraucherbereich in den Gaststätten automatisch immer größer.

Zielvereinbarung Nichtraucherschutz
Die „ Zielvereinbarung Nichtraucherschutz“ gilt für alle Betriebe, die regelmäßig Speisen anbieten, größer als 40 Quadratmeter sind oder mehr als 40 Sitzplätze haben. Danach sollen 30 Prozent aller Speiselokale bis zum 1. März 2006 mindestens 30 Prozent der Plätze für Nichtraucher bereithalten, ein Jahr später sollen bereits mindestens 60 Prozent aller Speisebetriebe mindestens 40 Prozent ihrer Sitzplätze für Nichtraucher reservieren und bis 1. März 2008 sollen mindestens 90 Prozent der Speisebetriebe mindestens 50 Prozent ihres Platzangebotes für Nichtraucher ausweisen.

Alles von Martin Wohlrabe vom 15.12.2005 auf www.bzol.de lesen

Nichtraucher Freiburg >Gasthaus1

 

Drogenabhängigkeit des Sohnes - Elternkreis hilft

Mit 16 Jahren fängt alles an. Silke Kaufmann (Name von der Redaktion geändert) erinnert sich noch gut an die Zeit, in der ihr Sohn ihr zunehmend fremder wird. Aggressivität, Aufmüpfigkeit, schlechte Laune - alles ganz normale Verhaltensweisen bei pubertierenden Jugendlichen. Was die besorgte Mutter nicht weiß: Zu diesem Zeitpunkt sind es längst nicht mehr nur die Hormone, die ihren Sohn beeinflussen.


„ Ich habe immer gehofft, diese Phase wird schon vorbeigehen“ , blickt Silke Kaufmann zurück. „ Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass da mehr im Spiel war. Bis wir schließlich dahinter kamen, dass er regelmäßig Haschisch konsumiert.“ Für die Eltern ein Schock, aber auch ein Absturz ins Ungewisse. Wie damit umgehen? Ist Haschisch wirklich gefährlich, oder doch nur - wie der Sohn es immer wieder betont - etwas ganz Normales, weil doch „ sowieso alle kiffen“ ? Die 60-Jährige ist sich unschlüssig, sucht Rat. Bei Bekannten und Freunden stößt sie allerdings auf wenig Verständnis: „ Am Anfang habe ich selbst geglaubt, dass Marihuana heutzutage vielleicht ganz normal ist. Wir waren eben eine andere Generation.“ Von Normalität aber kann bald keine Rede mehr sein. „ Als mir zum ersten Mal Geld fehlte, habe ich gemerkt, dass mein Sohn hochgradig gefährdet ist.“ Gesprächsversuche scheitern allesamt kläglich. Gute Worte prallen ab oder münden in Aggressionen. Ein Termin bei der Drogenberatung - kommt nicht in Frage. „ Plötzlich waren wir alle Spießer“ , erinnert sich Silke Kaufmann. „ Reden konnte ich mit meinem Sohn überhaupt nicht mehr. Dafür wurde unser Leben von Tag zu Tag unerträglicher.“ Hilfe suchend wenden sich die Eltern nun an eine Drogenberatungsstelle, wo ihnen zum ersten Mal die Augen geöffnet werden: „ Sie sagten uns, dass da wohl noch mehr im Spiel sein müsse als Haschisch. Ecstasy, Pilze, Marihuana - in seinem Rausch hat er wahrscheinlich alles genommen.“ Wieder und wieder Versuche, das Problem in den Griff zu bekommen: „ Um ihm mehr Freiheit zu gewähren, überließen wir unserem Sohn schließlich sogar eine Einliegerwohnung. Wir dachten, vielleicht wird dann alles besser.“ Ein fataler Irrtum, wie sich bald herausstellt: Plötzlich gehen Dealer in den eigenen vier Wänden ein und aus; demolierte Möbel gehören zur Tagesordnung. Wobei ausgehebelte Fenster noch das geringere Problem darstellen: Im Vollrausch entwendet der Drogenabhängige mehrmals die Autoschlüssel seiner Eltern, fährt mit 100 „ Sachen“ durchs Wohngebiet. „ Es lief alles aus dem Ruder“ , resümiert Silke Kaufmann, die das alles heute noch nicht fassen kann.

„ Psychotische Schübe kamen durch die Drogen noch hinzu. Einmal drohte er, seine eigene Schwester aus dem Fenster zu werfen, sollte sie ihr Sparschwein nicht rausrücken.“ Für Silke Kaufmann und ihren Mann eine peinliche Situation: Wenn in einem ruhigen Wohnviertel nachts die Polizei vor der Tür steht, bleibt das niemandem verborgen. „ Wir haben uns immer mehr isoliert. Das Drogenproblem stand plötzlich im Mittelpunkt unseres ganzen Lebens.“ Voller Verzweiflung wendet sich die Mutter schließlich an eine von der Stadt geförderte Selbsthilfegruppe. Im „Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher“ beraten Menschen, die sich mit dem Problem auskennen - weil sie es selbst schon durchgemacht haben. „ Dort habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, in kleinen Schritten Grenzen zu setzen“ , erzählt Silke Kaufmann. „ Man ist ja immer hin- und hergerissen, ob man seinem Kind nun finanziell helfen soll oder damit nur noch mehr Drogen finanziert.“ Schulden bei der Bank, Halluzinationen und schließlich sogar der Abbruch der Lehre: Der Weg bergab setzt sich ungebremst fort. „ Als er die Lehre schmiss, handelten wir. Er musste wissen, dass es so nicht weitergehen konnte.“ Zwischen Mitleid und Konsequenz setzen die Eltern ihren Sohn schließlich vor die Tür. Vier Monate lang schlägt er sich irgendwie durch. „ Zunächst hat er bei seiner Freundin gewohnt, was aber auch nicht lange gut ging. Danach kam er immer wieder bei seinen so genannten Freunden unter, allerdings auch nur so lange, wie er Drogen mitbringen konnte. Danach hatte er niemanden mehr.“

Für den mittlerweile 20 Jahre alten Sohn offenbar der entscheidende Wendepunkt: „ Als er gemerkt hat, wie dreckig es ihm ging, kam er nach Hause und hat selbst nach einer Therapie gefragt.“ Es folgt eine neunmonatige Intensiv-Therapie in der Pfalz, fernab vom alten Umfeld. „ Ich habe jeden Tag damit gerechnet, dass er wieder vor der Tür steht“ , beschreibt die 60-Jährige ihr Bangen. Doch: Der Sohn hält durch, schließt die Therapie ab, bekommt eine neue Lehrstelle und dann sogar einen Job. Ein Erfolg, den Silke Kaufmann auch der Beratung des Elternkreises verdankt. Dennoch ist sie sich bewusst: „ Es ist wie bei Alkoholikern. Ein kontrollierter Umgang mit Drogen wird für meinen Sohn niemals möglich sein.
Alles von
Steve Przybilla  vom 8.12.2005 auf www.bzol.de

 

Experten schlagen Alarm – Suchthilfe muß Stellen abbauen

Seit Sommer wissen sie nicht mehr weiter: Nachdem der Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald rückwirkend für 2005 Einsparungen in der Suchthilfe beschloss, mussten die Beratungsstellen des Badischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation (blv) und der AGJ, dem Fachverband für Prävention und Rehabilitation, Stellen abbauen. ....
Zum Vergleich: In Freiburg ist eine Suchthilfe-Fachkraft für 11300 Einwohner da, in Lörrach für 15800 Menschen – und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald liegt das Verhältnis zwischen Einwohnern und Fachkraft bei 35000:1  .....
Kompletten Beitrag von Anja Bochtler vom 10.11.2005 auf www.bzol.de lesen

 


Katharina Braun leitet Drogenberatungsstelle Kobra im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Leitungswechsel bei der Drogenberatungsstelle Kobra im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Nach über zehnjähriger Tätigkeit in dieser Funktion wird Hans Joachim Abstein kommissarischer Leiter des Trägerverbandes AGJ. Seine Stelle übernimmt Katharina Braun. Die Diplom-Sozialpädagogin ist seit Ende 1997 Mitarbeiterin bei Kobra und mit allen Aufgabenbereichen, Strukturen und Kooperationspartnern vertraut.

Für die Beratungsstelle Kobra ist der Leiterwechsel eine glückliche Fügung in schwieriger Zeit. Denn ohne diesen hätten Kündigungen ausgesprochen werden müssen. Aufgrund der Kürzungen des Kreises sieht sich die AGJ gezwungen, in ihren Suchtberatungsstellen Personal abzubauen und infolgedessen auch ihr Angebot zurückzufahren. Bei Kobra fällt eine halbe (von vier Stellen) und bei der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle (PSBB) eine viertel Stelle weg. Das Kindergruppe von Maks in Müllheim wurde eingestellt.

Der Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg AGJ versucht trotz der finanziellen Einschnitte, alle Kobra-Außenstellen (Breisach, Titisee-Neustadt und Freiburger Umland) im gewohnten Umfang aufrechtzuerhalten. In der Schwerpunktpraxis wird deshalb weiterhin an 1,5 Tagen eine Mitarbeiterin anwesend sein. Das bedeutet aber eine erhebliche Einschränkung der Sprechzeiten, die sich darauf konzentrieren, dass für die Kontaktaufnahme und Indikationsabklärung keine Wartezeiten entstehen. Das erste Gespräch soll weiterhin zügig stattfinden können. Telefonisch ist die Beratungsstelle außer montags und dienstagnachmittags immer zu erreichen.

Auch bei der PSBB in Müllheim werden die Sprechzeiten knapper. Darüber hinaus werden die Beratungsstellen ihre Mitarbeit in Arbeitskreisen einschränken, um ihre Präsenz an den Standorten zu sichern. Sollte sich 2006 bei der Finanzierung keine Verbesserung abzeichnen, so Kobra-Leiterin Braun und PSBB-Leiter Bolanz, müssten im Folgejahr weitere 80 Prozent der Beratungsleistung abgebaut werden.
BZ vom 21.7.2005

  

 

Schon 16 - gegen Alkoholmißbrauch bei Jugendlichen

„Schon 16?“, ist ein Projekt der Suchtberatungsstellen und Jugendpflegern im Landkreis, die sich als Arbeitskreis Suchtprophylaxe zusammengeschlossen haben. Sie bieten Unterstützung für Ehrenamtliche bei Vereins- und Gassenfesten oder Verkaufspersonal im Einzelhandel.

Eine neue Projektpartnerschaft mit dem Einzelhandelsverband wird derzeit vorbereitet. Ebenso wird das Projekt in diesem Jahr gemeinsam mit der Aktion Jugendschutz landesweit verbreitet. Sieben Nachahmer gibt es bereits.

„Schon 16?“ ist sehr einfach: Mit kleinen Aufklebern werden die Erwachsenen wie durch einen Knoten im Taschentuch an die Regel erinnert. Eine Kurzinformationen im Postkartenformat, die an die Jugendlichen ausgegeben wird, funktioniert dann als Streitschlichter. Mitarbeiter des Arbeitskreises stellen diese Materialien im Rahmen von kurzen Informationsveranstaltungen dem Verkaufspersonalpersonal oder den Vereinsmitgliedern vor und erläutern deren Handhabung. Selbstverständlich sind die Materialien auch ohne diese Veranstaltungen zu haben.
BZ vom 21.5.2005

Infos: Kreisjugendarbeit, 07641/451333, kreisjugendarbeit@landkreis-emmendingen.de
Psychosozialen Beratungsstelle, 07641/7315,  psb-emmendingen@blv-suchthilfe.de .
07641/7315 oder psb-emmendingen@blv-suchthilfe.de  .

  
 

Suchthilfeverbände und Beratungsstellen immer weniger unterstützt

Breisgau-Hochschwarzwald. Harte Zeiten kommen auf die Suchthilfeverbände und Beratungsstellen im Kreis zu: Starke Einschnitte in die finanzielle Unterstützung oder deren kompletter Wegfall machen die Arbeit schwieriger. Und es herrscht Unverständnis über die Entscheidung des Kreistags, den Rotstift gerade im sozialen Bereich so massiv anzusetzen.

Mit nur 77 000 Euro im Jahr, knapp einem Viertel der bisherigen kommunalen Mittel, sollen sie sich in Zukunft um die immer größer werdende Zahl von Süchtigen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald kümmern. Nach Auflösung des Landeswohlfahrtsverbandes zum 31. Dezember vergangenen Jahres und der Übertragung seiner Aufgaben an Kommunen und Landkreise, hatten diese für die Suchthilfe einen Betrag von 325 000 Euro vorgesehen, acht Prozent weniger als zuvor. Schon das war ein herber Schlag für die Verbände. Doch mit einem Viertel weniger lasse sich die Versorgung der Betroffenen nicht aufrechterhalten, so Klaus Limberger vom Badischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation (blv). Er kann es bis heute nicht fassen: "In Gesprächen mit den Fraktionsvorsitzenden und den sozialpolitischen Sprechern wurde immer wieder betont, wie wichtig die Arbeit der Suchthilfe ist".

Hans-Joachim Abstein vom AGJ, dem Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg ist sich sicher, dass die Qualität der Betreuung stark abnehmen wird. Man werde wohl Außenstellen schließen, die Betroffenen längere Anfahrten und längere Wartezeiten auf sich nehmen müssen. Viele werden das nicht lange mitmachen und schließlich wegbleiben, so seine Prognose. Manche Kreisräte wüssten gar nicht, was sie da entschieden hätten, meint Limberger. Sowohl er als auch Abstein sind sich sicher, dass der Entschluss aus einer Sparhysterie heraus getroffen wurde, denn schließlich würde eine schlechtere Betreuung über kurz oder lang teuer werden. "Jeder Suchtkranke hat ein Familie" so Abstein. Allein der Heimplatz für ein Kind, dessen Eltern nicht geholfen werden kann, koste im Jahr rund 40 000 Euro. Ganz zu schweigen von den steuerlichen Verlusten für den Keis, wenn ein Suchtkranker aus dem Arbeitslosengeld (ALG) II nicht in die Erwerbstätigkeit übergehe. Gefährdete Personen, die ALG II erhalten, sind zudem dazu verpflichtet, Suchthilfe in Anspruch zu nehmen, die Kosten hierfür sind von den Kommunen zu tragen. In den vergangenen zehn Jahren hatte die Suchthilfe bei gleich bleibender Personalzahl einen Zuwachs von 40 Prozent zu verzeichnen. Wie es in zehn Jahren aussehen wird wagt keiner zu sagen.

Ganz leer geht nach dem Kreistagsbeschluss die Psychosoziale Beratungsstelle (PSB) FrauenZimmer aus. Die 1996 eröffnete Einrichtung in Freiburg bietet Mädchen und Frauen ein spezielles Angebot: Es werden sowohl Süchtige als auch Angehörige Süchtiger beraten und unterstützt - egal ob es um Alkohol, Tabletten, illegale Drogen, Beziehungsabhängigkeit oder Essstörungen geht. Eine vergleichbare Einrichtung ist erst wieder in Stuttgart zu finden. Bis ins Jahr 2002 wurde FrauenZimmer mit etwa 3500 Euro jährlich vom Landkreis unterstützt, mit der Anerkennung zur Psychosozialer Beratungsstelle wurde dieses Geld komplett gestrichen. Der Landeswohlfahrtsverband unterstützte die Arbeit der zwei 80-Prozent-Kräfte weiter - bis zu seiner Auflösung. "Wir dachten, da der Kreis ja die Aufgaben des Verbands teilweise übernimmt, bekommen wir jetzt die Unterstützung aus dem Kreissäckel", so Christrun Oelke, Leiterin der Einrichtung. Doch weit gefehlt: Die erhofften 5000 Euro wurden vom Rat aus dem Etat gestrichen. Unterstützt wird FrauenZimmer jetzt nur noch vom Sozialministerium, privaten Spendern und der Stadt Freiburg. Zwar stammen 65 Prozent der jährlich rund 200 Klientinnen aus Freiburg selbst, doch sind auch 23 Prozent der Frauen, die Hilfe suche, aus dem Kreis. ......
Alles von Heike Westermann de Ruiz und Tanja Bury vom 14.5.2005 auf www.bzol.de lesen

  

 

Essstörungen - Was ist Magersucht, was Bulimie? 

Massive Essstörungen beginnen fast alle in jungen Jahren und betreffen zu über 90 Prozent Frauen

Das Risiko für Essstörungen ist in der Allgemeinbevölkerung nicht gleich verteilt, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer Broschüre mitteilt. Danach sind 95 Prozent der Magersüchtigen Frauen der höheren Mittelschicht zwischen 25 und 23 Jahren. Ess-Brech-Süchtige sind zu 90 Prozent Frauen aus der Mittelschicht zwischen 20 und 30 Jahren, Übergewichtige sind zu 52 Prozent Frauen, sechsmal häufiger in der Unterschicht als in der Oberschicht anzutreffen und zwischen 40 und 65 Jahre alt. Magersucht oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht) entstehen in jungen Jahren. Sehr selten gibt es Frauen (oder Männer) über 30, bei denen zum ersten Mal eine solche Essstörung auftritt. Übergewicht dagegen kann in jedem Lebensalter beginnen.

Kriterien für eine Magersucht:
Gewichtsverlust von 20 Prozent vom Ausgangsgewicht innerhalb kurzer Zeit (rund drei bis vier Monate), herbeigeführt durch streng kontrollierte, eingeschränkte Nahrungsaufnahme und Vermeidung hochkalorischer Speisen, übertriebene körperliche Aktivität, herbeigeführtes Erbrechen oder Abführen, übertriebenes Kreisen um Nahrung und Figur, Perfektionismus, Hyperaktivität, Körperschemastörungen (obwohl zu dünn, sieht man sich als zu "fett"), fehlende Krankheitseinsicht.
Folgeschäden: Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur (Müdigkeit, Frieren, Erschöpfung).
Hormonelle Veränderungen: Trockene Haut, brüchige Haare, Ausbleiben der Menstruation, später auch Osteoporose.

Kriterien für Ess-Brech-Sucht (Bulimie):
Mindestens zwei Essattacken pro Woche über zwei Monate, das Gefühl, die Anfälle nicht kontrollieren zu können, danach Erbrechen, Einnahme von Abführ- und/oder Entwässerungstabletten und/oder Diät-/Fastenphasen und/oder übermäßige körperliche Betätigung, übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht, krankhafte Furcht, dick zu werden.
Folgeschäden: Schwellung der Speicheldrüsen, Zahnschmelzschäden, Speiseröhreneinrisse, Magenwandperforationen, Nierenschäden, Herzrhythmusstörungen. Hinzu kommen oft finanzielle Schwierigkeiten durch hohe Ausgaben für Nahrung und Medikamente.

Mechthild Blum in der BZ vom 21.3.2005

  

 

Suchtberatung im Thomasheim in Neustadt

Das Wichtigste im Teufelskreis der Sucht ist es, erst einmal die Einsicht zu gewinnen, dass man süchtig ist und in einem zweiten Schritt die Motivation aufzubauen, dass man gegen die Sucht etwas tun muss. Helfen kann dabei Thomas Gremminger. Der Diplomsozialpädagoge ist Suchberater. Jeden Mittwoch wartet er in seinem Büro im Thomasheim in Neustadt auf Menschen, die von der Flasche, von Medikamenten, dem Spielautomaten oder anderen "legalen" Drogen wegkommen wollen.

Den Spruch "Ich kann jederzeit aufhören", hört Gremminger immer wieder. Das Suchtproblem wird von den Betroffenen heruntergespielt oder nicht in der ganzen Tragweite wahrgenommen, selbst wenn die Ehefrau dem dauernd betrunkenen Ehemann die Pistole auf die Brust setzt, oder der Arbeitgeber mit der Kündigung droht. So ist es die erste Aufgabe des Beraters, das Problem zu klären, Bewusstsein zu schaffen, dem Abhängigen zu verdeutlichen, dass er sich einer Therapie unterziehen muss. Eine Hilfe dabei sind Informations- und Motivationsgruppen, die der badische Landesverband für Prävention und Rehabilitation, der Träger der Neustädter Beratungsstelle, in Freiburg eingerichtet hat, der nächste Schritt ist eine ambulante oder sogar stationäre Therapie. Gremminger: "Nach zwei bis drei Gesprächen klärt es sich, ob der Betroffene überhaupt an seinem Problem arbeiten will." Zu der Beratungsarbeit gehört aber auch, die Angehörigen - meist die Ehefrauen -, zu unterstützen, ihnen zu sagen, wie sie sich verhalten und wie sie dem Abhängigen zu Hause auf dem Weg aus der Sucht helfen können.
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Seit vier Jahren kommt der Diplom-Sozialpädagoge Thomas Gremminger jeden Mittwoch in die Beratungsstelle nach Neustadt. Der Bedarf für weitere Sprechstunden wäre da, bestätigt der Berater im Blick auf die zahlreichen Anfragen. Die Ausweitung der Beratungszeiten sei allerdings eine "politische und finanzielle Frage", die noch geklärt werden muss, hält sich Gremminger bedeckt. Speziell in Neustadt überschneiden sich teilweise die Beratungsangebote. Auch die Arbeitsgemeinschaft Gefährdetenhilfe (AGJ) bietet Suchtberatung an, die "Kobra" ist spezialisiert auf die Beratung beim Missbrauch von illegalen Drogen.
Mit der Auflösung des Landeswohlfahrtsverbandes bezahlt jetzt der Landkreis die Suchtberatung, weitere Finanzierungsquellen sind unter anderem die ambulanten Therapien und Gruppenangebote der Beratungsstelle. Ungeachtet dessen hat die Psychosoziale Beratungsstelle ihr Angebot bereits ausgebaut. Sie bietet jetzt spezielle Suchtberatung in russischer Sprache an. Als Mittler zwischen Berater und Betroffenen fungieren ehrenamtliche Kräfte, die vom BLV in zwei Jahren ausgebildet wurden. Eine von ihnen ist Elena Kurz, die in dieser Woche zusammen mit Thomas Gremminger das erste Gespräch mit einem russischen Ehepaar führte. Warum ein russisches Spezialangebot? Zum einen sind es die Sprachbarrieren, die eine Beratung oft nicht zulassen, zum anderen ist es eine Frage der Mentalität, die eine Russin noch besser nachvollziehen kann. "Die Mentalität ist anders", erklärt Elena Kurz, "für die Männer war in Russland das Trinken normal und hier verstehen sie nicht, warum sie nicht mehr trinken dürfen."
Ganzen Text vom 28.1.2005 bitte auf www.bzol.de lesen

Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Alkohol- und Drogenprobleme >Psyche

  

 

Regiotreff - Netzwerk zur Drogenhilfe in Südbaden mit Substitionspass

Die Drogenhilfe in Südbaden wird vernetzt Arzte, Therapieeinrichtungen und Suchthilfeberatungsstellen gründen Netzwerk "Regiotreff" / Neu ist der Substitutionspass

FREIBURG. Vertreter der Ärzte, der stationären und ambulanten Therapieeinrichtungen im Bereich illegaler Drogen sowie der Beratungsstellen aus Südbaden haben sich zum "Regiotreff" zusammengefunden. Der Kreis soll als Netzwerk die Arbeit der verschiedenen Einrichtungen der Suchthilfe besser koordinieren und zu mehr Qualität beitragen.

Der "Zusammenschluss der Praktiker", wie Jeanette Piram von der Drogenhilfe Freiburg den Gesprächskreis mit Vertretern von 25 Institutionen nennt, hat als erstes konkretes Ergebnis einen "Substitutionspass" entwickelt. In diesem Dokument werden alle Termine beim Arzt sowie den Betreuern notiert. Damit ist ein besserer Informationsfluss zwischen den an der Methadonbehandlung beteiligten gewährleistet. Denn die Abgabe der Ersatzdroge ist gekoppelt an eine psychosoziale Betreuung, die aber von verschiedenen Einrichtungen und Trägern übernommen wurde. Gleichzeitig soll dadurch ein Missbrauch verhindert werden. Und schließlich dient der Pass dem Schutz des Patienten.
Darüber hinaus hat der "Regiotreff" auch Regeln für die Behandlung und deren Abbruch definiert, an denen sich nun alle Ärztinnen und Ärzte orientieren, die in ihren Praxen Methadon abgeben. "Das Ziel ist immer, die Qualität zu definieren und dann auch zu kontrollieren", so Piram. Auch die Kooperation zwischen stationären und ambulanten Einrichtungen soll durch den Gesprächskreis weiter ausgebaut werden. "Denn eine Drogentherapie verläuft nie linear", wie Christoph von Ascheraden, Vizepräsident der Bezirksärztekammer, betont. Im Laufe eines solchen Prozesses haben immer wieder verschiedene Einrichtungen Kontakt zu dem Klienten.

Der alte Konflikt zwischen den Lehrmeinungen sei überholt, Praktiker der Drogenhilfe hätten gelernt, dass Phasen intensiver Betreuung in einer Klinik und Zeiten einer therapeutischen Hilfe außerhalb solcher Einrichtungen sich bisweilen abwechseln, Rückfälle eingeschlossen. Das macht aber einen regen Informationsaustausch notwendig. Ebenfalls der Qualitätssicherung dienen die Fortbildungen, die der "Regiotreff" organisiert und die die Ganzheitlichkeit einer Drogentherapie betonen.

Die Themen für die nächsten Monate wurden dem Kreis mehr oder weniger diktiert. Da ist zum einen die Finanzierung der Substitutionsbehandlung. Nach Überzeugung von Hans Joachim Abstein von der Drogenhilfestelle Kobra in Müllheim seien hier auch die Krankenkassen gefordert. Denn die psychosoziale Betreuung sei ein "komplementäre Behandlung", und dass sie "nicht bezahlt wird, ist ein Webfehler im Sozialgesetzbuch", wie auch von Ascheraden findet. Zweites Thema sind die Schwerpunktpraxen, die zwar politisch gewollt, aber finanziell in Frage gestellt würden.

Und schließlich werde man sich über die Integration von Drogenabhängigen nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe Gedanken machen müssen. "Wir müssen aufpassen", sagt Jeanette Piram, "dass die Einrichtungen, die eine Klientel mit einem Vermittlungshemmnissen betreut, nicht weiter geschwächt werden.
F
ranz Schmider am 19.10.2004 in der BZ

  

 

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