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Waffen, Waffenhandel, Landminen
   
   

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Blick vom Schauinsland bei Freiburg nach Süden übers Münstertal zum nebligen Rheintal am 20.1.2010
Blick vom Schauinsland bei Freiburg nach Süden übers Münstertal zum nebligen Rheintal am 20.1.2010

 
Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden,
das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten,
sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Grundgesetz Artikel 26, Absatz 1
  

Allein gegen die Waffenindustrie: Film am 13.2. im Wiehrebahnhof

Die Filmemacherin Katja Duregger und ihr Team begleiteten den Friedensaktivisten Jürgen Grässlin 2009 bei einer Reise nach Türkisch-Kurdistan, wo mit Einsatz von Heckler & Koch-Waffen Zehntausende von Kurdinnen und Kurden getötet wurden. Das G3-Gewehr in den Händen türkischer Sicherheitskräfte ist bis zum heutigen Tag als Symbol der Unterdrückung der Kurden - schussbereit bei Militärkontrollen an Straßen und zur Abschreckung gegen friedliche Demonstranten. Heckler & Koch - Deutschlands tödlichste Firma - und die Bundesregierung haben den Tod von mehr als 1,5 Millionen Menschen zu verantworten. Alle 14 Minuten stirbt ein weiterer Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer H&K-Waffe. Der Film zeigt Protestaktionen gegen Heckler & Koch inmitten der Waffenstadt Oberndorf. Daimler/EADS ist Deutschlands führender Hersteller von Luftwaffensystemen, die selbst an kriegsführende Staaten und menschenrechtsverletzende Regime geliefert werden. Katja Dureggers Film zeigt die Auseinandersetzung mit Dieter Zetsche - »Deutschlands größtem Waffenhändler« - auf der Daimler-Hauptversammlung in Berlin.

Film "Allein gegen die Waffenindustrie": Samstag 13. Februar 2010, 13.00 bis 14.45 Uhr
Kommunales Kino im Alten Wiehrebahnhof, Urachstr. 40 in Freiburg, www.koki-freiburg.de


Im Anschluss an den halbstündigen Film besteht Gelegenheit zur Aussprache mit Katja Duregger zur Entstehungsgeschichte und den Hintergründen des Films. Jürgen Grässlin informiert über die Idee einer neuen bundesweiten Kampagne mit dem Motto »AKTION AUFSCHREI - Waffenexporte ächten, den Opfern eine Stimme geben!« und sammelt Anregungen.

Die gebürtige Stuttgarterin Katja Duregger studierte Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Allgemeine Rhetorik, Literatur und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Dokumentarfilm in Köln, Tübingen und Marburg. Sie besuchte die Dokumentarfilmschule der Filmwerkstatt Münster und arbeitete lange beim Hörfunk. Seit 2000 ist sie als freiberufliche TV-Journalistin und Dokumentarfilmautorin tätig für den WDR, HR, SWR, ZDF, 3SAT und Arte. Ihre Themenbereiche sind vielfältig und reichen von Musik über allgemeine gesellschaftliche Fragen bis hin zu einer kritischen Reflexion von Militär und Rüstungsindustrie. Zu ihren aktuellen politischen Filmen zählen
- »Allein gegen die Waffenindustrie
«
-
»Der Kampf des Jürgen Grässlin« (Produktion: Bildersturm, Köln; Redaktion: Johanna Holzhauer)
- die TV-Dokumentationen »Nach dem Krieg« über den Einsatz von Uranmunition im ehemaligen Jugoslawien und
- »Der Kampf gegen die Windräder«. Weitere Informationen siehe www.kduregger.de  

Jürgen Grässlin ist Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.), Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Sprecher der Kritischen AktionärInnen Daimler (KAD), Sprecher des Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen (DAKS) und Mitglied beim Freiburger FriedensForum. Er ist Autor einer Vielzahl kritischer Sachbücher über Rüstungs-, Militär- und Wirtschaftspolitik und Mitinitiator von Kampagnen gegen Rüstungsexport.

http://www.freiburg.dfg-vk.de/?p=380#more-380 , 7.2.2010

Signal gegen Waffenexport: Waldkircher Erklärung - 15000 Unterschriften

Der Aufschrei kam von der Basis. In diesem Falle vom SPD-Ortsverein des Schwarzwaldstädtchens Waldkirch, knapp über 20.000 Einwohner, daher seit Beginn des Jahres 2009 Große Kreisstadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze. Mit wachsender Sorge hatten einige friedenspolitisch engagierte Waldkircher Sozialdemokraten die seit Jahren ansteigenden deutschen Waffenexporte verfolgt. "Der Waffenexport floriert. Deutschland ist fünftgrößter Lieferant", hatte die Badische Zeitung schon über das Jahr 2005 berichtet.(1)

Alarmierende Nachricht: Deutschland drittgrößter Waffenlieferant
Bereits ein Jahr später übermittelte die Presse an herausragender Stelle die Negativbotschaft, dass 2006 weltweit ein Rekord bei den Militärausgaben aller Art zu vermelden sei. Sowie: Deutschland sei erstmals auf dem unrühmlichen Platz drei der Weltrangliste der Staaten mit den meisten Waffenexporten gelandet. Gleich hinter den USA und Russland, mit deutlichem Abstand zu Frankreich, Niederlande, Großbritannien, Italien, Spanien, China und Schweden.(2) Unter Berufung auf das renommierte Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri(3) teilte die Badische Zeitung mit, Deutschland habe 2006 seine Waffenexporte von 1,5 auf 3,8 Milliarden Dollar gesteigert. Das Blatt kommentierte: "Dass Deutschland in der Rangliste der Waffenhändler Rang drei erklomm, ist wahrlich kein Grund für nationalen Stolz."(4) Um den Lesern der Zeitung zu verdeutlichen, dass das Problem der Waffenproduktion und der Waffenexporte nicht irgendwo in nebelhafter Ferne angesiedelt ist, sondern direkt vor unserer Haustür, fügte die Redaktion eine detaillierte Information über Waffen produzierende Betriebe aus neun baden-württembergischen Städten und Gemeinden hinzu. Darunter die Firma Heckler & Koch, die in Oberndorf Pistolen, Gewehre und Granatwerfer baut - und weltweit exportiert.

Zivilgesellschaftlicher Protest: "Skandal ohne Grenzen"
Diese Informationen gaben den entscheidenden Anstoß, in Waldkirch zu einer Informationsveranstaltung einzuladen und damit gleichzeitig ein Forum zu bieten für die Zusammenarbeit von politischen, gewerkschaftlichen, kirchlichen und friedenspolitischen Vereinigungen, von denen ein rüstungskritisches Engagement erwartet werden konnte. Das unter dem Titel "Skandal ohne Grenzen. Dem Rüstungsexport muss endlich Einhalt geboten werden" stehende Treffen fand am 10. Juli 2007 statt. Für das Einstiegsreferat "Überlegungen zu einer ethischen Beurteilung der Rüstungsexportpolitik" konnte der Politikwissenschaftler Dr. Bernhard Moltmann von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) gewonnen werden. Der ehemalige Akademiedirektor ist zugleich Vorsitzender der Kommission "Rüstungsexporte" in der "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" (GKKE). Diese Kommission wurde von den beiden großen Kirchen ins Leben gerufen. Dort war nämlich der Eindruck entstanden, dass der Bundestag - beziehungsweise "die Politik" insgesamt - dem Thema Waffenexporte keine besondere Aufmerksamkeit widmete und die jährlich erstatteten Rüstungsexportberichte der Bundesregierung kaum zur Kenntnis nahm oder kommentarlos abnickte. Daher gibt die GKKE jährlich einen kritischen Rüstungsexportbericht heraus, den Moltmann zur Grundlage seines Waldkircher Vortrages machte.(5)
Moltmanns Fazit, das zugleich eine politische Forderung an Bundesregierung und Bundessicherheitsrat darstellte, lautete folgendermaßen: "Bei rüstungspolitischen Entscheidungen - gerade bei Lieferungen in Empfängerländer außerhalb von Nato und EU - ist zu begründen, ob sie tatsächlich dem Frieden, der Sicherheit und der Entwicklung dienen. Industriepolitische Motive, Arbeitsplatzargumente oder der Verweis auf entgegenlaufendes Handeln von Konkurrenten haben hier keinen Platz."(6)

Der Handel mit dem Tode - was geht uns das an?
Für die Teilnahme an der Veranstaltung wurde mit einigen rhetorischen Fragen geworben. "Der Handel mit dem Tode - was geht uns das an? Ist das ein Thema für die Waldkircher Provinz? Wer kennt schon die Produzenten, Verkäufer, Käufer und Anwender der Waffen? Wer kennt die Grauzonen des Waffengeschäfts? Werden die Waffen - meist handelt es sich um sogenannte Kleinwaffen, also Gewehre, Pistolen, Minen - nicht hauptsächlich in anderen Kontinenten eingesetzt, in erster Linie in den unterentwickelten Ländern? Kann man gegen die deutsche Waffenexportpolitik überhaupt etwas ausrichten? Den Kritikern wird häufig gesagt: Wenn wir nicht liefern, dann liefern eben die anderen. Aber gibt es nicht auch den Weg, mit gutem Beispiel voranzugehen?"(7) Die lokale Presse griff diesen Gedanken auf und titelte: "Der Handel mit dem Tod - was geht uns das im Elztal an?"(8)
Das erklärte Ziel der Veranstaltung lautete, einen "zivilgesellschaftlichen Protest gegen die wachsende deutsche Beteiligung am Handel mit dem Tod" zu formulieren und ihn als Signal an die Bundesregierung zu senden. Terminologisch orientierten sich die Veranstalter an einem Wort des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt. Er hatte die Rüstungstransfers schon vor mehr als 30 Jahren als "Export des Todes" bezeichnet. In der Zivilgesellschaft von heute gelten polemische Begriffe dieser Art keineswegs mehr als politisch anstößig, wie man der Tatsache entnehmen kann, dass sie auch in Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung verwendet werden."(9)
Sowohl das Referat von Bernhard Moltmann als auch die sich anschließende Podiumsdiskussion waren von Sachverstand geprägt.(10) Einleitend wurde gesagt, es gehe primär um einen moralischen Appell an die Bundesregierung und an den Bundessicherheitsrat sowie an die mit dieser Materie befassten Parlamentarier. Sie sollten sich auf ihre friedensethische Verantwortung besinnen. Jürgen Grässlin stellte fest, dass Rüstungsexport "aktive Beihilfe zum Mord" sei. Auf das Konto der "kleinen Waffen" - wie das deutsche Gewehr G 36 oder die russische Kalaschnikow - gingen 95 Prozent der Toten kriegerischer Auseinandersetzungen. DGB-Sprecher Jürgen Höfflin warnte, dass die Waffenlieferungen von heute die gewaltsamen Auseinandersetzungen von morgen seien. Herbert Schweitzer rief dazu auf, bis in die kleinste Gemeinde hinein aufzuzeigen, dass Waffenproduktion unnötig und lebensfördernde Produkte Sinn der Arbeit seien. ....
Wolfram Wette, 18.9.2009
in:
Forum Pazifismus Nr. 22 - II/2009, Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gewaltfreiheit
Gesamten Text lesen auf www.schattenblick.org

 

Prof. Dr. Wolfram Wette, wettewolfr@aol.com

Jürgen Grässlin, Tel. 0761-76 78 208, Mob 0170-611 37 59, j.graesslin@gmx.de 
http://www.freiburg.dfg-vk.de

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www.rib-ev.de

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©  Freiburg-Schwarzwald.de, Kontakt, Last Update 09.03.10