Schwarzwald für Ehrenamtliche, Geschäftige und Erholungssuchende - Volunteering, Business and Holidays in the Black Forest


Integration und Einwanderungspolitik
im südlichen Hochschwarzwald und Breisgau
  

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Blick vom Walderhansenhof in  Oberglottertal nach Norden am 13.3.2006 mehr 



 

 

Foci - "Frohe Weihnachten" oder "Grüße der Jahreszeit"

Vor einigen Jahren hatte der renommierte Ökonom Bruno Frey eine Idee: Foci. Das steht für "Functional Overlapping Competing Iurisdictions", also "funktionale, überlappende, wettbewerbliche Körperschaften". In der Einzahl – sprachlich gewagt – nennt er sie Focus. Der Gedanke: Der Staat sollte so weit wie möglich das tun, was die Bürger wollen. Nur klappt das nicht. Ein Grund ist, dass jeder etwas anderes von ihm erwartet. Das ist in einer Foci-Welt anders: Die Bürger dürfen sich für die verschiedensten staatlichen Aufgaben zu beliebig vielen Foci zusammentun, etwa für die Müllabfuhr, für die Schulen und so weiter. Jeder Bürger kann frei entscheiden, zum Beispiel welchem Müllabfuhr-Focus er sich anschließt, und er darf wechseln, wenn er unzufrieden ist. Letztlich sind Foci für alles denkbar, selbst für Strafrecht. Die Amish People in den USA haben sich aus dem US-amerikanischen Sozialsystem ausgeklinkt: Sie zahlen keine Sozialabgaben und erhalten keine Sozialleistungen. Im Grunde sind auch die Religionsgemeinschaften in Deutschland mit ihren jeweils eigenen Regeln Foci. Frey ist Schweizer, und in der Schweiz tut sich in der Foci-Frage gerade zweierlei: Zum einen steht eine Strafrechtsreform an. Bislang macht sich strafbar, wer "ein wichtiges Organ oder Glied" eines Menschen "verstümmelt". Jetzt will man eine Spezialvorschrift für Genitalverstümmelungen einführen. Diese sollen straflos sein, wenn die verstümmelte Person volljährig ist und in den Eingriff eingewilligt hat. Ansätze eines Focus für Kulturen, in denen die Genitalverstümmelung üblich ist –, der sich später auf Minderjährige ausdehnen lässt?! Der Wertkonservative wird dies als Verstoß gegen allgemeingültige westliche Grundwerte ablehnen. Der Kulturliberale wird dagegen sagen: Der Staat darf nicht die Werte vorschreiben, unter denen eine bestimmte Gruppe zusammenleben will. Und: Jeder Mensch muss über seinen Körper selbst entscheiden dürfen. Bedingung wird für ihn die von Drohung und Gewalt unbehinderte Entscheidungsfreiheit des einzelnen sein. Zwar mögen die emotionalen Hürden für den Austritt aus der eigenen Kulturgemeinschaft, mit dem die Verstümmelung umgangen werden könnte, hoch sein. Der Liberale wird aber entgegnen: Von seiner Kultur unbeeinflusst ist niemand; auch das ist Teil der persönlichen Abwägung, der der Staat nicht vorgreifen darf. Die zweite Entwicklung in der Schweiz bedeutet, genau umgekehrt, eine Abkehr von Foci: das Minarettverbot. In Deutschland schießen Minarette dagegen aus dem Boden. Aber ist bei uns damit der Foci-Ansatz für ein Nebeneinander der Religionen wirklich akzeptiert? Der eigentliche Test unserer religiösen Toleranz steht uns erst noch bevor: Sollen die Muslime das Recht erhalten, von den Minaretten – über Lautsprecher und auf Arabisch – zum Gebet zu rufen? Dieses Recht werden sie in Zukunft einfordern. Denn der Gebetsruf, der auf Mohammed selbst zurückgeht, ist viel stärker im Islam verankert als die Minarette, hat auch eine viel tiefere religiöse Bedeutung als das kirchliche Glockenläuten. Der Wertkonservative wird öffentliche Gebetsrufe, die sich mit Kirchenglocken vermischen, strikt ablehnen. Der Kulturliberale aber wird, sofern er konsequent ist, sagen: Wenn Minarette das gleiche Recht wie Kirchtürme beanspruchen dürfen, dann müssen im Interesse religiöser Neutralität Muezzinrufe genauso zulässig sein wie das Glockenläuten. Recht auf Genitalverstümmelung und Recht auf Muezzinrufe: Die Diskussionen um beides wurzeln letztlich in derselben Frage, nämlich was in Europa Vorrang haben soll: die Allgemeingeltung der abendländischen Kultur oder die Toleranz gegenüber anderen Kulturen? Hierauf gibt es keine letzte Antwort. Beides jedoch kann man nicht haben.
Multikultianhänger im linken Milieu widersprechen sich daher selbst: Einerseits sollen fremde Kulturen in Europa nach ihren eigenen Regeln in Foci leben dürfen; einige Politiker sind selbst gegen Pflichtunterricht in Deutsch. Andererseits soll diesen Kulturen die weibliche Emanzipation aufgezwungen werden. Das ist selektiver Werte-Imperialismus. In den USA übrigens ist die Neutralisierung der Kultur bereits fortgeschritten. Religionsneutral verschicken viele im Dezember "Season’s Greatings". Was also soll ich Ihnen wünschen: "Frohe Weihnachten" oder "Grüße der Jahreszeit"?
19.12.2009, Lüder Gerken, Vors. Stiftung Ordnungspolitik sowie Hayek-Stiftung  

 

Betreuungsgeld: In der Unterschicht wird das Geld versoffen

Unter Fachleuten herrsche Einigkeit darüber, "dass wir in die Kinder investieren müssen und nicht in die Eltern", sagte Buschkowsky und ging, ähnlich hart wie Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin auf Unterschicht und Migranten los. Das Betreuungsgeld werde eben nicht zur Förderung und Bildung der Kinder ausgegeben, so Buschkowsky. "Im Klartext: In der deutschen Unterschicht wird es versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt", sagte Buschkowsky. Diese spreche leider in 99 Prozent der Fälle kein Deutsch.....
Alles vom 27.10.2009 auf http://www.sueddeutsche.de/politik/135/492491/text/

 

Eine Bereicherung für unsere Gesellschaft - Einbürgerungsfeier

Landrätin Dorothea Störr-Ritter begrüßte im Rahmen einer Feierstunde an diesem Donnerstag die in diesem Jahr neu eingebürgerten Mitmenschen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Dabei dankte sie den Anwesenden für den Schritt, den diese gewagt haben, indem sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Rund dreißig Frauen und Männer waren mit ihren Familienangehörigen der Einladung des Landratsamtes gefolgt. Insgesamt sind in diesem Jahr bis Anfang Oktober 203 Einbürgerungsanträge bewilligt worden. Dies ist eine Steigerung zum Vorjahr. In 2008 waren insgesamt 186 Einbürgerungen erfolgt. Der Anstieg begründet sich unter anderem darin, dass wegen der ungeklärten staatsrechtlichen Lage im Kosovo im vergangenen Jahr, viele Anträge von dort stammener Menschen erst in diesem Jahr bearbeitet werden konnten. Die häufigsten Herkunftsländer sind die Türkei, Kosovo und die EU-Staaten. Es ist aber auch eine steigende Tendenz von Einbürgerungsbewerbern aus Südamerika zu registrieren. Besonders erfreut zeigte sich die Landrätin über die Tatsache, dass sich einige der Eingebürgerten auch ehrenamtlich im Gemeinwesen engagieren, beispielsweise als Mitglied im Verein für Internationale Verbindungen in Bad Krozingen oder als Vorstandsmitglied im Landfrauenverein Titisee-Jostal. Dieses bürgerschaftliche Engagement sei auch ein Beweis für eine gelungene Integration, so Störr-Ritter. Nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz wird nach Ermessenseinbürgerungen, wenn zum
Beispiel die Ehepartner Deutsche sind, und Anspruchseinbürgerungen unterschieden. Zu den allgemeinen Anforderungen an Einbürgerungsbewerber gehören unter anderem ein mehrjähriger Aufenthalt in Deutschland, ausreichend deutsche Sprachkenntnisse, ein bestandener Einbürgerungstest, ein selbst bestrittener Lebensunterhalt und die Abgabe der früheren Staatszugehörigkeit oder die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft.
16.10.2009

 

Sarrazin als rassistischer Scharfmacher - integrationsunwillige Migranten?

Sarrazin hat sich vielmehr in einer so kruden und teilweise rassistischen Form über Zuwanderer geäußert, dass seine Degradierung im Bankvorstand völlig berechtigt ist. Er ist kein Opfer einer angeblichen Meinungsdiktatur, sondern ein Scharfmacher, der die nötige Debatte erschwert – die Debatte darüber, was in der Integration schief läuft. Dass viele tausend Zuwanderer am Rande der Gesellschaft stehen, ist ja längst bekannt. Und lange vor Sarrazin haben Demokraten wie etwa der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky die Mängel offen angesprochen. Buschkowsky war es, der ohne die eitle, von Sarrazin gepflegte Zuspitzung darauf verwies, dass manche Migranten keine Bereitschaft zur Integration zeigen und ihre Kinder nicht fördern.
Alles von Bernhard Walker vom 14.10.2009 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/meinung/kommentare/thilo-sarrazins-abstieg-war-faellig

Buschkowsky, Schlöndorff und Broder: Sarrazin hat Recht
Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin können mit seinen umstrittenen Äußerungen zur Migrationspolitik nach Ansicht des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky (SPD) weder Volksverhetzung noch Menschenfeindlichkeit unterstellt werden. Im analytischen Teil seiner Ausführungen zur Integrationspolitik komme er den Realitäten sehr nahe, sagte Buschkowsky der "Märkischen Oderzeitung“. "Wir haben 20 Prozent Migranten in der Gesellschaft, und sie haben nun mal eine deutliche höhere Geburtenrate bei gleichzeitiger Bildungsferne“, sagte Buschkowsky. Dass allerdings 70 Prozent der Türken, wie Sarrazin sage, zur Unterschicht gehörten, sei falsch. Es gebe inzwischen genug Türken, die es mindestens in die Mittelschicht geschafft haben. Doch jene, „die ihre traditionellen Muster der Herkunftsländer weiterleben wollen, die ihre Familie als Schutzburgen betrachten und Schulpflicht und Erwerbstätigkeit hinten anstellten“, müssten aus diesem System herausgeholt werden. „Wir brauchen Ganztagsschulen, die Kindergartenpflicht und wir müssen die Schulpflicht mit Sanktionen durchsetzen“, forderte Buschkowsky. Aber schon mit dem Wort Sanktionen löse er Attacken der „Gutmenschen-Fraktion“ aus. „Es ist immer noch kein gesellschaftlicher Konsens, dass wir ein Integrationsproblem haben“, sagte er.
Nach Politikern und Verbänden äußerten sich auch Prominente zu dem Interview, das Sarrazin dem Magazin "Lettre International" gegeben hatte. Regisseur Volker Schlöndorff (70) sagte bild.de, Sarrazin habe ihm „aus der Seele“ gesprochen. Als Filmemacher sei er „beeindruckt von den starken Sprüchen“, wird der Oscar-Gewinner („Die Blechtrommel“) von dem Internetportal zitiert. Auch Isa Gräfin von Hardenberg äußerte sich auf bild.de. Zwar bewundere sie Sarrazin dafür, dass er gegen den Strom schwimme, seine jüngsten Äußerungen seien jedoch "etwas übertrieben" gewesen, sagte die Charity-Lady.
Der Publizist Henryk M. Broder unterstützt den früheren Finanzsenator: „Wer ab und zu einen der Berliner 'sozialen Brennpunkte' besucht, deren Einwohner vor allem von 'Transferleistungen' leben, weiß, dass Sarrazin die Wirklichkeit so beschreibt, wie sie ist und nicht, wie sie seit vielen Jahren dargestellt wird“, schrieb Broder auf dem Internetportal www.evangelisch.de. Es handle sich nicht um „eine multikulturelle Idylle mit kleinen Schönheitsfehlern, die durch sozialtherapeutische Maßnahmen behoben werden kann.“ "Sarrazin hat Recht, man könnte ihm allenfalls vorwerfen, dass er in seiner Analyse nicht weit genug geht“, so Broder: „Es ist der Sozialstaat, der mit den Problemen nicht fertig wird, die er selbst geschaffen hat.“ Wie in den meisten verfahrenen Situationen werde mit Sarrazin auch jetzt der Überbringer einer Botschaft bestraft, anstatt die Situation zu ändern.
Ganzen Artikel vom 8.10.2009 lesen auf www.morgenpost.de aus Berlin

 

Ehegattennachzug: Sprachprüfung, Sprachkurse im Download

Seit Kurzem ist per Gesetz geregelt, dass Ehegatten beim Zuzug nach Deutschland einfache Sprachkenntnisse nachweisen müssen (Kompetenzstufe A1 des Europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen): damit soll die Integration ausländischer Ehepartner von Anfang an ermöglicht werden. Auf der Website des Integrationsportals erfahren Interessierte Einzelheiten, u.a. steht ein Faltblatt zum Gesetz zum Download bereit. Sprachkurse werden u.a. kostenlos von der Deutschen Welle angeboten, die Sprachprüfung kann über die Goethe-Institute erfolgen. Verfügbare Sprachen der Website: Deutsch, Englisch, Russisch, Türkisch. Das Faltblatt ist in 19 Sprachen vorhanden (Stand: 1. Juli 2008).
8.5.2009, http://www.bildungsserver.de/link/ehegattennachzug

Schwarze, Neger, Black, Afroamerikaner, Farbige?

Obama: Der Afroamerikaner ist lieber ein Schwarzer

Ist es eigentlich richtig, dass man Barack Obama einen "Schwarzen" nennt? Immer wieder fragen auch unsere Leser, warum wir als Zeitung den Präsidentschaftskandidaten so nennen. Aber dafür gibt es gute Gründe. Manche halten es für sachlich falsch, weil ja nur Obamas Vater ein Schwarzer war und Obamas Mutter eine Weiße. Andere meinen, der Begriff Schwarzer sei generell belastet, rassistisch oder jedenfalls unsensibel. Die wichtigste Antwort auf alle Einwände lautet: Barack Obama selbst nennt sich "black", was man im Deutschen nicht anders als eben mit "schwarz" wiedergeben kann. Es stimmt zwar, dass Obamas Mutter eine weiße Amerikanerin aus dem Mittleren Westen der USA war, und Obama hat selbst lange mit seiner Identität zwischen Schwarzen und Weißen gerungen. Heute aber nennt er sich wie selbstverständlich selbst "a black man" und sieht sich als Teil der "black community" in den USA: Seine Frau ist eine Schwarze, seine Kinder sind Schwarze, und er hat sich in Chicago einer Kirchengemeinde von Schwarzen angeschlossen. "Dass ich eben doch ein Schwarzer bin", hat Obama manchmal im Wahlkampf gesagt, "merke ich spätestens dann, wenn ich in New York versuche, ein Taxi heranzuwinken." Abgesehen davon, dass Obama selbst den Begriff schwarz so auf sich bezieht, gibt es auch keine brauchbare Alternative dazu. Das Wort "Farbige" – im Englischen: "Colored people" – wäre keinesfalls weniger problematisch, weil es bei schwarzen Amerikanern unangenehme Erinnerungen an die Zeit der Rassentrennung in den Südstaaten weckt. Für "Farbige" (was damals, in den vierziger und fünfziger Jahren, ein moderner und neutraler Ausdruck sein sollte und den älteren Begriff "Neger" ersetzte) gab es eigene Eingänge, Sitzplätze und so weiter, die unter diesem Wort für sie reserviert waren. Es gibt zwar auch heute noch bestimmte Zusammenhänge, in denen das Wort "Colored" wertneutral gebraucht wird, aber das sind Ausnahmen. In den amerikanischen Medien käme keiner auf die Idee, Obama einen "Farbigen" zu nennen. In den neunziger Jahren gab es den Versuch, auch das Wort "Schwarzer" als rassistisches Überbleibsel zu brandmarken und durch einen neuen und neutraleren Begriff zu ersetzen: Das Wort "Afroamerikaner" sollte nicht mehr auf die Hautfarbe, sondern auf die ursprüngliche Herkunft Bezug nehmen. Auf dem Höhepunkt der politischen Korrektheit war der Begriff überall zu hören, heute ist er aber wieder etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Auch viele Schwarze fühlen sich mit dem Begriff "Afroamerikaner" nicht ganz wohl, weil sie Afrika nicht als ihr kulturelles und historisches Erbe zugewiesen bekommen möchten, sondern US-Amerikaner wie alle anderen sein wollen. Immerhin, gelegentlich verwendet Obama schon mal das Wort "Afroamerikaner". Dennoch, unterm Strich ist das Wort "Schwarzer" die beste Übersetzung und die neutralste Ausdrucksweise, die Obama selbst bevorzugt. 
3.11.2008, BZ

 

Über 500000 Kurden in Deutschland: Tradition und Familienbande

Nirgendwo in Europa leben mehr Kurden als in Deutschland. Das Bundesinnenministerium schätzt ihre Zahl auf etwa 500.000, das Bonner Zentrum für Kurdische Studien auf bis zu 800.000. Sie stammen hauptsächlich aus der Türkei, dem Irak und dem Iran. Von dort aus kommen jährlich einige tausend weitere Kurden als Asylbewerber ins Land. Die meisten der hier lebenden Kurden sind ab Beginn der 1960er Jahre als türkische Gastarbeiter eingewandert. Die Mehrzahl der Kurden sind sunnitische Muslime. Erst in der neuen Heimat wurde es den Kurden möglich, ihre Traditionen und Kultur frei und offen zu pflegen. Die Diaspora gab Impulse für die Entwicklung von kurdischer Schriftsprache, Literatur und Musik. Das Alltagsleben vieler Kurden ist geprägt durch enge Familienbeziehungen. Positiv wirkt sich das bei der gegenseitigen Unterstützung aus. Auf Kritik in Deutschland stößt, dass in manchen kurdischen Familien nach archaischem Brauch die Väter den Partner ihrer Töchter aussuchen. Einige junge Frauen, die die Familienehre angeblich verletzt hatten, wurden sogar von Verwandten ermordet. 11500 Kurden werden vom deutschen Verfassungsschutz als Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihrer Ableger eingestuft. Mit Propagandaarbeit auf Kulturveranstaltungen, Demonstrationen und Kundgebungen wirbt ein Geflecht von Vereinen für den «Freiheitskampf» in der Heimat.
21.7.2008, www.rnz.de

 

Unsichtbare Eltern: Wenn Vater und Mutter sich einigeln

Integration gelingt dort besser, wo die Eltern junger Zugewanderter Kontakt zur Schule haben

Wie sieht der Alltag von zugewanderten Jugendlichen aus? Für viele Deutsche ist das eine Lebenswelt voller Fragezeichen — und das, obwohl mehr als sechs Millionen Kinder und Jugendliche hierzulande einen Zuwanderungshintergrund haben. Die niederländische Journalistin Margalith Kleijwegt wollte mehr über die jungen muslimischen Immigranten wissen. In einem Amsterdamer Problemviertel nahm sie Kontakt zu einer achten Klasse auf und besuchte die Kinder zu Hause. Einer Klasse, in der nur ein einziges niederländisches Mädchen unter den 23 Kindern war - alle anderen stammten aus der Türkei und aus Marokko. Kleijwegts Berichte über diese Zuwandererfamilien wurden ein Bestseller in den Niederlanden. Vor wenigen Tagen debattierte die Autorin mit Freiburgern - auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Herder-Verlags, der ihr Buch unter dem Namen "Schaut endlich hin!" veröffentlicht hat. Was Kleijwegt aus den Niederlanden berichtete, kennen längst auch Lehrer oder Sozialarbeiter in deutschen Landen. Häufig sind die Eltern solcher Jugendlicher arbeitslos und mit der Erziehung der Kinder überfordert. Kleijwegt erlebte in den Familien offenen Antisemitismus und Verachtung des westlichen Lebensstils. Manche Kinder flüchten sich in Drogen und Gleichgültigkeit, andere sind gewalttätig. Die Eltern selbst schirmen sich ab und schauen fern. "Ich fand es schockierend, dass ich für viele dieser Immigranten die erste Niederländerin war, die sie besuchte", sagte sie. Der Originaltitel des Buches heißt "Unsichtbare Eltern" . Dieser Titel verweist auf ein wichtiges Problem: Wie erreicht man, dass diese Eltern in die Schulen ihrer Kinder kommen und so Kontakt zu ihrem nächsten Umfeld aufnehmen? "Wenn sich die Eltern hier nicht zu Hause fühlen, wie können wir das dann von den Kindern erwarten?", fragte Kleijwegt.

Sophie Braun, die Leiterin der Vigelius Hauptschule Freiburg, kennt diese Probleme. Auch ihre Schule ist eine "Schule mit erhöhtem Förderbedarf" : Von 270 Schülern haben mehr als die Hälfte einen Migrationshintergrund. Für Braun ist klar: Diese Schulen bewältigen diese Herausforderung nicht alleine. Solche Schulen brauchen ein Netzwerk — die Vigelius Schule etwa klopfte an bei Instanzen vom Kinderschutzbund über soziale Dienste bis zur Polizei. Das Ganztagsangebot als Auffangnetz: "Die jungen Menschen sollen bis 16 Uhr ein Angebot angeboten bekommen, das ihnen zu Hause und in der Stadt nicht zur Verfügung steht." Der nächste Schritt wird sein, die Eltern mit ins Boot zu holen. Aber: "Elternabende können Sie sich schenken" , sagte Braun. Gemeinsame Feste und Erwachsenenbildung etwa mit dem Gesundheitsamt kämen schon besser an. An der Vigelius Hauptschule ist nun geplant, türkische Schüler auch mal zu Hause zu besuchen. Die Schule müsse nicht nur in den Mittelpunkt der Kinder, sondern auch der Eltern gerückt werden, forderte Kleijwegt.
Hilfreich kann es sein, wenn es wie an der Vigelius Schule einen türkischstämmigen Lehrer gibt. Vielen Jugendlichen diene er als Vorbild, sagte Sophie Braun — denn die Schüler sähen, was sie in diesem Land als Migrant erreichen können.
Michael Neugebauer, 23.4.2008, BZ

 

Was heißt Freiheit für Muslime und für Christen?

Ob für den Bau von Moscheen, das Tragen von Kopftüchern, den islamischen Religionsunterricht oder die Anerkennung islamischer Verbände als Körperschaften öffentlichen Rechts - die Religionsfreiheit wird von Moslems hierzulande als Argument für ihre Interessen in Anspruch genommen. Doch verstehen Muslime unter "Freiheit" das Gleiche wie Bürger des westlichen Kulturkreises. Nein, meint Die Soziologin Necla Kelek, die in der Türkei geboren wurde und seit 1994 deutsche Staatsbürgerin ist. In der FAZ (15.12.2007) erläuterte sie ihre kritische Sicht des islamischen Gesellschaftsverständnisses. Während in der westlichen Tradition die Freiheit als Befreiung des Einzelnen von jedweder Bevormundung - auch religiöser Art - zu verstehen sei, bestehe im Islam allein Freiheit darin, sich den Vorschriften des Islam unterzuordnen. Religionsfreiheit sei hier nicht wirklich Freiheit, sondern die Freiheit der Pflicht, sich den Vorschriften des Islam unterzuordnen. Religionsfreiheit sei hier nicht wirklich Freiheit, sich eventuell auch vom Islam abzuwenden, sondern die Freiheit, der Pflicht zum islamischen Gehorsam nachzukommen. Daraus zieht Necla Kelek den Schluss:

"Für mich ist der Islam als Weltanschauung und Wertesystem nicht in die europäischen Gesellschaften integrierbar und deshalb generell nicht als Körperschaft öffentlichen Rechts anzuerkennen."

Dass wir unser personalistisches Freiheitsverständnis eigentlich dem Christentum verdanken, erläutert die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Ackermann in der Zeitschrift Merkur (Dezember 2007). Mit dem Gedanken einer Gleichheit vor Gott habe das Christentum eine persönliche und nicht mehr kollektiv-stammesbezogene zu Gott ermöglicht. Das Christentum biete damit nicht nur die Grundlage für die Demokratie, sondern es bestehe ein tiefer Zusammenhang zwischen Christentum und Liberalismus.

"Im Unterschied zur 'gleichen Freiheit', die unter dem Christengott gilt, brachte der Islam eher die 'gleiche Unterwerfung' der Gläubigen unter Allahs Wille hervor und den strengen Gehorsam gegenüber bestimmten Regeln."

Ist die Integration von Moslems in europäische Gesellschaften also von vorneherein zum Scheitern verurteilt?

"Der Islam ist nicht integrierbar, wohl aber der einzelne Muslim als Staatsbürger",

meint Necla Kelek.
sun, Zeitschrift "Christ und Welt", 21.1.2008

 

Familie Morad aus Rheinfelden darf bleiben

Das Regierungspräsidium Freiburg hat den fünf Flüchtlingen die Aufenthaltserlaubnis erteilt

Vor zwei Jahren war Sami, Victoria, Fabronia, Schukri und Nour Morad nicht nach Feiern zumute. Wenige Tage vor Heiligabend war die fünfköpfige syrische Flüchtlingsfamilie damals untergetaucht und versteckte sich vor der Polizei, weil sie die Abschiebung fürchtete in das Land, aus dem sie geflohen war. Es folgten Kirchenasyl, vorläufige Duldung, Eingaben an den Petitionsausschuss und die Härtefallkommission. Um ein Bleibe recht zur erhalten, dauerte es aber über zwei Jahre, in der die Bevölkerung öffentlich Zeichen der Solidarität setzte. Auch eine tägliche Mahnwache gehört dazu. Am Freitag erfüllte sich der große Weihnachtswunsch: Das Regierungspräsidium Freiburg erteilte die Genehmigung für die Aufenthaltserlaubnis. Die gilt zunächst für ein Jahr, lässt sich aber verlängern. Fast hätte es nicht mehr für das erhoffte "Weihnachtsgeschenk" gereicht. Aber auch Oberbürgermeister Eberhard Niethammer hat sich auf dem Dienstweg eingesetzt, damit die Familie vor den Feiertagen die ersehnten Papiere erhält. Nachdem dies auf dem Postweg bis Freitag nicht realisierbar war, wurde der Verwaltungsvorgang per Fax beschleunigt. Das Bleiberecht eröffnet der syrischen Familie, die seit neun Jahren in Rheinfelden lebt, Perspektiven für ein ganz gewöhnliches Leben. Um dieses führen zu können, musste sie nachweisen, dass sie sich aus Arbeit finanzieren kann, in einer Wohnung lebt und sprachlich integriert ist. Obwohl die Morads in Vereinen, Schule, Betrieb und katholischer Gemeinde verankert sind, zog sich das Prüfverfahren über ein Jahr . Erst als nach zunächst vergeblichen Bemühungen endlich die syrischen Pässe vorlagen, öffnete sich die entscheidende Tür im November. Der Visa-Eintrag im Pass beendet nun eine über zweijährige Odyssee nach rechtskräftiger Ablehnung eines Asylantrags. Erstmals darf die Familie auch die Grenzstadt am Hochrhein verlassen, um den Fuß auf ausländischen Boden zu setzen. Bisher sahen die Morads die Schweiz nur aus der Distanz vom badischen Ufer. Tochter Fabronia (21) kann mit den neuen Papieren ihr Biotechnologiestudium an der Fachhochschule Muttenz/Schweiz aufnehmen. Das Schicksal der christlichen Familie, die zuerst Unterkunft im Asylbewerberwohnheim gefunden hatte und später breite kirchliche Unterstützung erhielt, hat die Menschen in der Stadt und Region emotional und politisch bewegt. Unter anderem wurde im Frühjahr 2006 ein Fernsehfilm gedreht , der unter dem Titel "ein Tag im Kirchenasyl" für Aufmerksamkeit sorgte und mit dem Caritas-Journalistenpreis ausgezeichnet wurde.
22.12.2007,
Ingrid Böhm-Jacob , BZ

 

 

Fast jeder zweite Zuwanderer ohne Berufsabschluss

Zuwanderer haben "dramatisch" schlechte Chancen in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), in ihrem gestern vorgelegten Bericht, der sich mit den bundesweit 15 Millionen Menschen aus Zuwandererfamilien befasst.

Danach verlassen 17,5 Prozent der Ausländerkinder die Schule ohne Abschluss. Trotz eines leichten Rückgangs seit 2003 sei diese Zahl in keinster Weise befriedigend. Als echtes Alarmzeichen bewertet Böhmer die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Dem Bericht zufolge haben derzeit 40 Prozent der Jugendlichen aus Ausländerfamilien keinerlei Berufsausbildung. Überdurchschnittlich betroffen sind dabei Zuwanderer aus Italien, Griechenland und der Türkei. So haben 72 Prozent der in Deutschland lebenden Türken keine berufliche Qualifizierung. Diese Entwicklung setze sich auch bei der zweiten und dritten Generation fort, die vielfach in Deutschland geboren wurde, erläuterte Böhmer. Entsprechend gering sind deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, ist doppelt so hoch wie bei Deutschen ohne Migrationshintergrund. Dieser Teufelskreis aus geringer Bildung, fehlender Ausbildung und hoher Arbeitslosigkeit müsse überwunden werden, betonte Böhmer. "Wir können auf kein Talent verzichten." Als Gegenmaßnahmen empfahl die Integrationsbeauftragte unter anderem eine frühe Sprachförderung und Nachqualifizierungen für Schüler ohne Abschluss sowie die verstärkte Einstellung von Zuwanderern in der Kommunalverwaltung und den Schulen. Gleichzeitig räumte sie ein, dass derartige Maßnahmen Zeit brauchen, bis sie wirken. "Wir machen uns auf einen längerfristig angelegten Weg." Die integrationspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sibylle Laurischk, nannte die Zahlen erschreckend und forderte bundesweite Sprachtests beim Eintritt in den Kindergarten. Die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sevim Dagdelen, warnte: "Deutsche Sprachkenntnisse allein schützen nicht vor Diskriminierung im Bildungssystem und vor Arbeitslosigkeit." Auch positive Tendenzen sind zu verzeichnen: So gibt es in Deutschland mittlerweile 582 000 Unternehmer ausländischer Herkunft, die rund zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen haben. Insgesamt zählt der Bericht 15 Millionen Menschen mit "Migrationshintergrund". Der Ausländeranteil in Deutschland liegt unverändert bei 8,8 Prozent, wie Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in seinem ebenfalls vorgelegten Migrationsbericht für 2006 feststellt. Fast drei Viertel der Menschen mit ausländischem Pass stammen aus Europa, die Hälfte davon aus der EU. Die Zahl der Asylbewerber ist rückläufig.

7 Mio Ausländer - 15 Mio Personen mit Migrationshintergrund
Der gestern präsentierte Bericht zur Lage der Ausländer verzeichnet in Deutschland etwa sieben Millionen Ausländer ohne deutschen Pass, aber insgesamt 15,3 Millionen "Personen mit Migrationshintergrund" . Zu ihnen gehören Menschen, die nicht auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik geboren wurden und nach 1949 zugewandert sind; außerdem Menschen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen oder eingebürgert wurden; sowie deutsche Staatsbürger, von denen mindestens ein Elternteil zu einer der beiden oben genannten Gruppen gehört.
2.12.207, www.rnz.de

 

Freiburger Kurden und Türken sind entspannt

Dass Kurden gegen die Unterdrückung durch den türkischen Staat demonstrieren, ist üblich. Doch am Samstag haben erstmals national gesinnte Türken "gegen Terror und Gewalt" der kurdischen Organisation PKK demonstriert. Auch in Freiburg. Das sei in der Tat eine Besonderheit, sagt Clemens Homoth-Kuhs, Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz. "Zum ersten Mal gingen auch breitere Schichten der Türken auf die Straße." In Freiburg ist das auch deshalb überraschend, weil die in Freiburg lebenden Türken als eher liberal bis links gelten. Die Demonstration mit etwa 400 Teilnehmern war denn auch von einem Türken aus Neuenburg angemeldet worden.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot in der Innenstadt präsent. Im Vorfeld hätten sowohl die Organisatoren als auch kurdische Vertreter eingeräumt, in ihren Reihen "jugendliche Hitzköpfe" zu haben, so Freiburgs Polizeichef Heiner Amann. Auf beiden Seiten habe es die Sorge vor Übergriffen gegeben, weshalb ein umfangreiches Sicherheitskonzept erstellt worden sei. Erwartet wurden mindestens 1000 Teilnehmer.
Von den Freiburger Türkinnen und Türken wussten viele nicht einmal, dass die Demonstration stattfinden würde. Ali Demirbüker, der sich im Kulturverein "Türk.Hog", im Migrantenbeirat und beim interkulturellen Verein "Südwind" engagiert, wurde davon überrascht. Er schätzt das Verhältnis zwischen Türken und Kurden in Freiburg genauso ein wie "Südwind" -Geschäftsführerin Angelika Mölbert, der Kurde Musa Carus vom Mesopotamischen Kulturverein und Remziye Sahin, die sich mit ihrem deutschen Pass längst als Deutsche fühlt: Im Alltag gebe es keine Probleme, sagen alle übereinstimmend. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht unterschiedliche Meinungen gibt. Während Remziye Sahin kritisiert, dass trotz des Verbots der PKK Kurden-Demos mit Plakaten des einstigen PKK-Führers Abdullah Öcalan geduldet würden, betont Musa Carus: "Nicht alle, die für die PKK sind, sind Terroristen." Die Kurden im Mesopotamischen Kulturzentrum hätten sehr gute Kontakte zu Türken, vor allem die türkischen Intellektuellen würden für die Anliegen der Kurden eintreten, sagt Musa Carus. Die Freiburger Kurden würden sich auf keinen Fall provozieren lassen, betont er — selbst dann, falls das "türkische Faschisten" versuchen sollten. Bisher seien "national gesinnte" Türken in Freiburg aber kaum organisiert, vermutet Ali Demirbüker. Typisch sei, dass sich Türken und Kurden mit extrem unterschiedlichen Meinungen einfach aus dem Weg gehen — und die Mehrheit gut miteinander klar komme: "Kurden gehen in türkische Cafes oder Imbisse und umgekehrt und sind befreundet." Der Verein "Türk.Hog" ist ein gutes Beispiel. Türken und Kurden tanzen gemeinsam Volkstänze. Und der Vereinsname, der ausgeschrieben "Türkiyeliler Hog" heißt, steht politisch korrekt für: "Menschen, die aus der Türkei kommen".

Türken und Kurden in FR
In Freiburg leben etwa 2200 Türken. Wie viele davon Kurden sind, ist unbekannt, da Statistiken nach Herkunftsland oder Staatsangehörigkeit geführt werden. Der Verfassungsschutz stuft die linken und rechten Extremisten als "ganz kleine Minderheit" ein. In Freiburg gibt es nur zwei Einrichtungen, die beobachtet werden: Das Islamische Zentrum an der Hugstetter Straße im Stadtteil Stühlinger gehört zu der nationalistischen Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, die zwar gesetzestreu, aber antidemokratisch sei. Das Mesopotamische Kulturzentrum an der Merianstraße in der Innenstadt soll der verbotenen PKK nahe stehen. Es gilt als eines der Schwerpunkte in Baden-Württemberg. Beide Zentren haben laut Verfassungsschutz eher weniger als jeweils 100 Mitglieder.
Uwe Mauch und Anja Bochtler, 13.11.2007, www.badische-zeitung.de

 

Kopftuch bei Musliminnen: Was für ein Männerbild?

Einen Zwang gibt es nicht - junge Musliminnen im Alltag - 8.7.2007 Der Sonntag

Es muß wohl einen eigenen Reiz besitzen, Muslimen immer wieder auf den Leim zu gehen und sich dabei besonders liberal vorzukommen. Das Tragen des Kopftuches dient erklärtermaßen dazu, die Frauen vor den geilen Blicken der Männer zu schützen. Das als Ausdruck der Frömmigkeit zu werten, ist und bleibt absurd. Was für ein Männerbild steckt denn hier dahinter? Glaubt man, dass jeder Mann stets versucht ist, beim (in der Tat oft erfreulichen Anblick) von weiblichen Haaren sich auf die Frauen zu stürzen? Diese Männer denunzierende paranoide Zwangsvorstellung als Gottes Willen zu verkaufen, ist meines Erachtens schlicht inakzeptabel. Und das angeführte Beispiel von Schwierigkeiten bei der Berufswahl betrifft: Warum eine Muslimin, die ihre Haare per Kopftuch vor der Außenwelt verbirgt, um Allahs willen ausgerechnet Friseuse lernen will, muß mir erst jemand erklären.

Leserbrief von Manfred Kleehammer, Freiburg, 22.7.2007, www.der-sonntag.de

 

Kirchzartener Helferkreis für Migranten seit 1989 - Ehrenamtliche gesucht

Seit 1989 engagiert sich in Kirchzarten ein Kreis Ehrenamtlicher für die Eingliederung von Flüchtlingen und Aussiedlern

In den 80er Jahren war es für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer auf der Flucht in eine neue Heimat waren, noch einfacher, die Bundesrepublik Deutschland zu erreichen. Die zwangsläufig auftretenden Unterbringungsmöglichkeiten löste der Staat damit, dass er Migranten entsprechend der Einwohnerzahl auf die Kommunen verteilte. Und so traf es auch Kirchzarten, das im Haus Schwarzwaldstraße 10 damals 25 Personen zum Teil auf engstem Raum unterbrachte. Die Zahlen stiegen Anfang der 90er Jahre rasant. Anfang 1992 wurden insgesamt 125 Flüchtlinge in gemeindeeigenen Gebäuden und Wohnungen untergebracht. Ziel war dabei, so erinnert sich Walter Arndt, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice der Gemeinde Kirchzarten, die Menschen möglichst dezentral in allen Ortsteilen unterzubringen. Um die menschlich schwierige Lage der Flüchtlinge - fremd in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstanden, und oft voller traumatischer Erlebnisse von Flucht und Vertreibung - wenigstens einigermaßen sachgerecht aufzufangen, entstand im Gespräch mit Kirchen und Caritas die Idee eines ehrenamtlichen Helferkreises. „Wir wollten den neuen Mitbürgern den Zuzug erleichtern“, erinnert sich Walter Arndt. Erfreulicherweise stellten sich in Kirchzarten gleich rund 20 Frauen und Männer ehrenamtlich zur Mitarbeit im Helferkreis zur Verfügung. Eine der ersten Aufgaben war, bei der Ausstattung der Räume in den Flüchtlingsunterkünften zu helfen.

Durch die immer restriktivere Migrationspolitik der Bundes- und Landesregierung gingen Ende der 90er Jahre die Flüchtlings- und Aussiedlerzahlen ständig zurück. Die Kommunen wurden von der Verpflichtung der Unterbringung entbunden und der Landkreis richtete an verschiedenen Orten wieder Gemeinschaftsunterkünfte ein. Heute ist es so, dass die Wohnheime in Titisee-Neustadt, Müllheim, Breisach, Merzhausen und Bollschweil aufgelöst sind und nur noch in Kirchzarten in der Ottenstraße und am Keltenbuck insgesamt 103 Migranten und Aussiedler in Gemeinschaftsunterkünften leben. Den Asylhelferkreis Kirchzarten hat es über all die Jahre gegeben - und auch heute ist er noch mit zwölf bis 15 Ehrenamtlichen aktiv. Zu ihren Hauptaufgaben, so erzählten beim Pressegespräch Ursula Preiß (15 Jahre dabei) und Irmgard Born (seit neun Jahren aktiv), gehören die regelmäßige Hausaufgabenbetreuung in den beiden Wohnheimen. Dadurch können sie Migrantenkindern den Weg zu einer guten Schullaufbahn ebnen. Die Helferkreismitarbeiter führen Spielnachmittage durch, pflegen die Geselligkeit mit Grillfesten, Nikolausfeiern oder Ausflügen. Ganz wichtig ist ihnen ein Alphabethisierungskurs für Erwachsene, um auch deren Startchancen zu verbessern. „Wir sehen uns als Brücke zu den Einheimischen“, erklärt Ursula Preiß ihre Aufgabe.

Klar, dass die Mitarbeiter des Helferkreises auch über die Migrationspolitik diskutieren. Bei ihren regelmäßigen Treffen bekommen sie Anregungen und Informationen von Walter Arndt, aber auch von dem Caritasmitarbeiter Wolfgang Busse und Bernhard Beier-Spiegler von der Diakonie. Damit werden die Ehrenamtlichen gestärkt, die Asylbewerber z.B. bei Antragstellungen und rechtlichen Verfahren zu unterstützen. Sehr froh sind Ursula Preiß und Irngard Born darüber, dass sie mit den Aktivitäten des Helferkreises sogar unberechtigte Abschiebungen verhindern konnten. Die inzwischen geduldeten Flüchtlinge Amosa Parvani (18) aus Afghanistan und das Ehepaar Kandiah und Vanitta Thanbalan aus Sri Lanka mit zwei zehn und 14 Jahre alten Mädchen sind sehr dankbar für die Unterstützung, die sie vom Asylhelferkreis Kirchzarten erfahren haben. Die Betreuung bei den Hausaufgaben, die Hilfen bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche, die Begleitung bei Behördenbesuchen waren für alle drei wertvolle Hilfen. Amosa Parvani hat es so in viereinhalb Jahren geschafft, inzwischen die Berufsfachschule zu besuchen und mit ihrem guten Deutsch als Berufswunsch Apothekerin zu äußern. Sie wohnt noch mit ihren Eltern und drei Geschwistern zusammen.

  • Die Helferkreis-Mitarbeiter, aber auch die Fachleute von Caritas und Diakonie, wünschen sich mehr Arbeitgeber, die Verständnis für Migranten haben und ihnen einen Arbeitsplatz anbieten. Die Arbeitsstelle sei eine Schnittstelle zum besseren Aufenthalt. Außerdem hoffen sie auf weitere Ehrenamtliche, die z.B. bei der Hausaufgabenbetreuung mithelfen oder bei einem Behördengang mitgehen. Interessenten können sich bei Walter Arndt im Bürgerbüro der Gemeinde Kirchzarten (Telefon 07661 393-21) melden.

  • Und für zweckgebundene Spenden an das Dr. Gremmelsbacher-Hilfswerk der Gemeinde Kirchzarten ist der Helferkreis ebenfalls sehr dankbar. Damit könnten Wörterbücher, Spielzeug, Ausflüge oder auch mal eine Klassenfahrt eines Asylberwerberkindes finanziert werden.

Gerhard Lück, 12.7.2007, www.dreisamtaeler.de

 

Partnerschaften für Integration - Projekt in Freiburg

"Partnerschaften für Integration" heißt ein Projekt, das zugewanderten Menschen den langen Weg von der Ankunft bis zum tatsächlichen "Ankommen" in der Stadt erleichtern soll. Federführend ist das städtische Büro für Migration und Integration in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband, der Erwachsenenbegegnungsstätte Weingarten und Südwind Freiburg. Als ein Baustein dieses Projekts ist gestern ein Informationsblatt vorgestellt worden, das die Zusammenarbeit zwischen alteingesessenen und zugewanderten Bürgerinnen und Bürgern fördern will — auch indem es für so genannte Integrationspartnerschaften wirbt. Mit deren Hilfe sollen Migranten früh in das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben eingebunden werden. Gesucht werden Menschen, die zu ehrenamtlichen Integrationsbegleitern geschult und von qualifizierten Ansprech- partnern begleitet werden. In dem landesweiten Projekt wurden für Freiburg vier Schwerpunkte gewählt: Integrationspartnerschaften von Frau zu Frau, mit Menschen aus Afrika und aus der ehemaligen Sowjetunion sowie Partnerschaften zur Berufsorientierung.

Das Projekt, gefördert von der Landesstiftung, läuft bis Dezember 2008 als Teil des landesweiten Projekts des Innenministeriums mit dem Titel "Bürgerschaftliches Engagement: Ehrenamtliche Integrationbegleitung für bleibeberechtigte Ausländer/innen und für Spätaussiedler/innen" kurz EIB-Projekt. Es kostet rund 87 000 Euro, davon muss die Stadt 38 000 Euro zahlen.
30.3.2007

Das Infoblatt "Partnerschaften für Integration — unterschiedliche Herkunft, gemeinsame Zukunft" gibt es an der Rathausinfo Freiburg.

 

 

Morddrohungen wegen Kopftuch - Zur Integration gehören beide Seiten

Bin ich eine schlechte Muslimin? / BZ-Interview mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz, die Morddrohungen erhält, weil sie Kritik am Kopftuch übt

"Kommt im Heute an, also legt das Kopftuch ab!" Mit diesem Appell an Türkinnen hat die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Sogar Morddrohungen hat die 35-Jährige bekommen. Sie ist in der Türkei geboren und hat seit 1997 die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit ihr sprach Laetitia Obergföll.

BZ: Warum haben Sie gerade jetzt diesen Appell formuliert?
Deligöz: Ich war wegen der Fastenzeit sehr viel in türkischen Vereinigungen und Moscheen unterwegs und mir ist aufgefallen — und auch aufgestoßen — , dass viele Menschen in ihren Gedanken noch in der Türkei leben und sich abgrenzen und teilweise isolieren. Auf bestimmte Debatten in Deutschland lassen sie sich gar nicht ein. Etwa wenn es darum geht, warum wir muslimischen Unterricht in deutscher Sprache wollen und warum ich für ausgebildete Islam-Lehrer bin. Oder dass Kinder ein Recht auf Unterricht haben — dazu gehört auch der Schwimmunterricht. All diese Einzelbeispiele haben sich bei mir angesammelt. Als ich dann nach meiner Position zum Kopftuch befragt wurde, habe ich pointiert geantwortet. Eine kritische Haltung hatte ich schon lange dazu. Zur Integration gehören beide Seiten. Die Gesellschaft, in der wir leben, muss sich öffnen und auch Anderssein zulassen. Die Kehrseite heißt aber, wenn man diese Freiheiten in Anspruch nehmen will, muss man auch auf der anderen Seite tolerant sein und Kritik zulassen. Für mich ist Integration ein Vertrag.

BZ: Und das Kopftuch sehen Sie als kontraproduktiv für diesen "Vertrag" ?
Deligöz: Jeder kann tragen, was er will, ob Irokesen-Schnitt oder Kopftuch. Bis vor Kurzem hätte ich auch gesagt, ein Stückchen Stoff stört mich persönlich, aber damit muss ich leben. Politisch gesehen ist es für mich ein Symbol, das ich kritisiere. Die Reaktionen bestätigen mich. Denn wenn es sogar dazu kommt, dass in den (Anm. d. Red.: türkischen) Medien dazu aufgerufen wird, mich zum Schweigen zu bringen, dann ist es ein Politikum. .....
Kompletten Beitrag vom 24.10.2006 auf www.badische-zeitung.de lesen


 

MigrationsAktionsTag am Rathausplatz

Symbolische Grenzkontrolle mit Einbürgerungstest in der Rathausstrasse Laufgruppe vom Rasthaus Freiburg mit Shirts "Kein Mensch ist illegal"
(1) Symbolische Grenzkontrolle mit Einbürgerungstest in der Rathausstrasse (2) Eine Polizistin bittet, es nicht zu Staus kommen zu lassen (3) Laufgruppe vom Rasthaus Freiburg (Steffi Ortner) mit Shirts "Kein Mensch ist illegal"
Walter Schlecht von SAGA am 7.19.2006 Presseerklärung der "Union für die Veränderung Togos" am 7.10.2006
(3) Flüchtlings-Boot vor dem Freiburger Rathaus (4) Walter Schlecht von SAGA am 7.10.2006
  am Rathausplatz
(6) Presseerklärung der "Union für die Veränderung Togos" am 7.10.2006
   
(7) ...    

Es gibt immer Menschen, die fliehen müssen
Wenn heute um 12 Uhr am Rathausplatz der "Migrations-Aktions-Tag" beginnt, an dem europaweit Proteste gegen die "Abschottungspolitik" Europas stattfinden, ist er mit dabei: Koffi Attivor (45) ist aus Togo geflüchtet und lebte drei Jahre lang in Ungewissheit, bis im Frühling positiv über seinen Asylantrag entschieden wurde. Anja Bochtler hat er erzählt, warum er weiter aktiv ist ....

Mehr vom 7.10.2006 bitte auf www.badische-zeitung.de lesen

Koffi Attivor finden Sie auf Bild (6) rechts
Mini-Rasthaus Freiburg >Integration

 

Diskussion bei Caritas und Diakonie über Bleiberechtsregelung für Migranten

Manchmal sah es fast aus, als ob sich auf dem Podium alle einig wären. Doch dann kamen bei der Diskussion über die lang erwartete Bleiberechtsregelung für langjährig geduldete Menschen, zu der Caritas und Diakonie ins Weihbischof-Gnädinger-Haus in Freiburg eingeladen hatten, immer wieder Zweifel auf, wie realistisch die Hoffnungen der "Geduldeten" auf die Innenministerkonferenz im November tatsächlich sind. Rund 1550 von ihnen leben in Freiburg, etwa 340 im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Die Frage verfolgt den CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Schüle: "Wie können Sie Ihre restriktive Politik mit Ihrem christlichen Menschenbild in Einklang bringen?", will eine Frau aus dem rund 100-köpfigen Publikum wissen, später hakt ein junger Zuhörer nochmal nach. Klaus Schüle reagiert irritiert, spricht so lange von "klarer, konsequenter Politik" , die notwendig sei, bis die Frau bilanziert: "Sie haben konsequent schwammig geantwortet." Jetzt erklärt sie ihm genauer, was sie nicht für "christlich" hält: "Wie brutal Menschen aus ihrem Leben gerissen, Kinder in ein Land geschickt werden, das sie nicht kennen, wie der Schutz der Menschenwürde nichts zählt." Für Klaus Schüle aber ist die Frage der "Ausländerzuzugsbegrenzung" entschieden, darum dürfen seiner Meinung nach keine "Anreize" für Migranten geschaffen werden. Doch auch er spricht von einer "schwierigen Gratwanderung" , wenn Kinder in Deutschland aufgewachsen sind und in ein fremdes Land abgeschoben werden sollen. Und als er dafür plädiert, dass bei der Entscheidung über ein Bleiberecht der "gezeigte Integrationswille" , nicht aber die Unabhängigkeit von Sozialhilfe den Ausschlag geben sollte, sind seine Kollegen auf dem Podium angetan. Denn dass diese Forderung für Menschen mit Duldung, die wegen ihres Status bei der Arbeitssuche keine Chance haben, absurd ist, steht für alle fest. Doch trotz Klaus Schüles kleinem Entgegenkommen bleibt die Skepsis an der Landesregierung. Josef Follmann, Migrationsreferent beim Diözesan-Caritasverband, warnt vor Optimismus: "Wenn die neue Bleiberechtsreglung so ausfällt wie die letzte von 1999, dann wäre das sehr dürftig." Damals wurden nur 809 von 3963 Anträgen von langjährig in Baden-Württemberg lebenden "Geduldeten" akzeptiert. Und nach Einschätzung der Podiumsgäste deuten "alle Signale von der CDU-Fraktion nicht auf Verbesserungen hin" , so die grüne Landtagsabgeordnete Edith Sitzmann. Zu diesem Schluss kommt sie nach ihrer Mitarbeit im Petitionsausschuss, wo "die CDU-FDP-Mehrheit immer alles dafür getan hat, dass möglichst wenig Menschen hier bleiben können — egal, wie integriert sie sind." Skeptisch stimmt sie auch die Weigerung der Landesregierung, Abschiebungen bis zur Bleiberechtsregelung zu stoppen — wie es Berlin bereits praktiziert, ergänzt die Lörracher Anwältin Angela Furmaniak. Und auch sonst gebe es Beispiele für einen anderen Umgang mit Flüchtlingen als dem, der in Baden-Württemberg üblich ist: Etwa wenn in Rheinland-Pfalz bereits 2500 Menschen ein Bleiberecht nach einem Artikel der Menschenrechtskonvention bekommen haben, der im Zuwanderungsgesetz extra vorgesehen sei, betont Josef Follmann. Baden-Württemberg dagegen lege die Gesetze "in eigener Weise" nach dem politischen Willen der Landesregierung aus, kritisiert Angela Furmaniak. Deshalb sei längst auch die Härtefallkommission völlig überfordert, berichtet Josef Follmann, der stellvertretendes Mitglied der Kommission ist: Weil es selbst für "gut Integrierte" keine andere Chance auf ein Bleiberecht gebe, gingen bereits im ersten Jahr weit über 1000 Anträge ein. Mit der Folge, dass die "Integration" zum entscheidenden Kriterium geworden ist — und nicht humanitäre Aspekte wie ursprünglich vorgesehen.
Überfordert seien ohne sinnvolle Bleiberechtsregelung auch die Behörden, bekräftigt Diane Walter, die Leiterin der Freiburger Ausländerbehörde, die den hohen Verwaltungsaufwand für die Duldungen kritisiert, die alle drei bis sechs Monate verlängert werden. Sie plädiert für die Resolution des Freiburger Gemeinderats, der im April ein Bleiberecht für die Freiburger Roma forderte. Das sei auch als Lehre aus der deutschen Geschichte dringend angebracht, ergänzte eine Zuhörerin aus dem Publikum.

Anja Bochtler, 30.9.2006, www.badische-zeitung.de

 

 

Integrationshilfen der Caritas Breisgau-Hochschwarzwald

Sprachkenntnisse allein reichen nicht aus / Damit Zuwanderer in der neuen Heimat zurechtkommen, bietet der Caritasverband des Landkreises verschiedene Integrationshilfen an

Die Einsicht wächst, dass die gesellschaftliche Integration von Mitbürgerinnen und -bürgern aus anderen Nationen oder Kulturen kein Selbstläufer ist. Cornelia Panzas vom Fachbereich Migrationsdienste des Kreiscaritasverbandes, weiß aus langjähriger Erfahrung, dass mehr nötig ist als die Kenntnisse der deutschen Sprache, damit ein Mensch in der neuen Heimat zurecht kommt, eine Arbeitsstelle findet und sich aufmacht unter Hiesigen Bekannte zu gewinnen.
"Frauen tun sich oft noch schwerer, weil sie sich eher in die häusliche Umgebung zurück ziehen, wenn sie keine Arbeit finden", sagt Panzas. "Arbeiten und Lernen" heißt denn auch ein neues Kursangebot des Caritasverbandes Breisgau-Hochschwarzwald speziell für Frauen. Zwölf Frauen zwischen 23 und 46 Jahren treffen sich seit April jeden Montag, Mittwoch und Freitag in der Breisacher Außenstelle zum Unterricht, dienstags und donnerstags arbeiten sie als Praktikantinnen in Betrieben.
Die Sozialarbeiterin Barbara Donner ist Ansprechpartnerin für die Firmeninhaber, unterrichtet Deutsch, vermittelt Bewerbungstrainings und EDV-Kenntnisse, führt durch das Berufsinformationszentrum in der Freiburger Agentur für Arbeit, übt mit den Frauen Gesprächsführung am Telefon und im Angesicht eines Gegenübers und vieles mehr, was bei der Arbeitssuche und beim Bewerben helfen kann und den Umgang mit Behörden, Vermietern oder Nachbarn erleichtert. Gemeinsam lesen und besprechen sie zudem den Roman "Flucht ins fremde Paradies" , der die Einwanderung einer Frau nach Deutschland erzählt. Finanziert wird das neue Angebot von der Arbeitsgemeinschaft von Landratsamt und Agentur für Arbeit. Das Konzept hat sich entwickelt aus dem halbjährigen Kurs "Deutsch im Alltag" , den der Caritasverband im Vorjahr erstmalig ausgerichtet hatte. "Ich bin selbstsicherer geworden, erlebe in der Gruppe Gemeinschaft und merke, dass ich von Woche zu Woche unbefangener mit Leuten umgehen kann" , erklärt die 35-jährige Elektrotechnikerin Elena Gerasenko, die mit ihrer Familie vor zwei Jahren aus Kasachstan nach Bad Krozingen gekommen ist. Stolz ist Elena Gerasenko darauf, das Vorstellungsgespräch bei ihrem Chef selbstständig geführt zu haben; sie arbeitet in einer Bad Krozinger Computerfirma.
Auch die Afrikanerin Szameit Magida fühlt sich durch den Kurs in hohem Maß gefördert. "Die Caritas stärkt einem den Rücken" , sagt die 34-Jährige, die bereits 1994 von der Elfenbeinküste nach Freiburg gezogen war und seit gut einem halben Jahr in Breisach wohnt. Zwar habe sie im Lauf der Jahre gelernt, Deutsch zu sprechen, aber sie könne Texte in dieser Sprache weder lesen noch schreiben. Nach einem einjährigen Aufenthalt aus familiären Gründen in ihrer Heimat ist Szameit Magida derzeit arbeitslos. Davor hatte sie als Verkäuferin gearbeitet, das den Kurs begleitende Praktikum macht sie in einem Bekleidungsgeschäft. Sie hat keinen Schul- und auch keinen Berufsbildungsabschluss und teilt die Erfahrung vieler erwachsener Immigranten, so nur äußerst schwer Arbeit zu finden.
Im Gegensatz zu Szameit Magida und einer jungen Türkin unter den Teilnehmerinnen sind deutsche Spätaussiedlerinnen wie Elena Gerasenko aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion gut ausgebildet. Ihre Abschlüsse und Prüfungszertifikate werden in der Bundesrepublik jedoch meist nicht anerkannt, was Praktika, zusätzliche Schulungen und oft auch Prüfungen nötig macht, was den Frauen wiederum nur dann gelingt, wenn sie ihre Deutschkenntnisse perfektionieren. "Aber angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nützt den Einwanderinnen oft auch die behördliche Anerkennung nichts, wenn sie nicht darin geschult werden, sich aktiv, mutig und unaufhörlich zu bewerben" , erklärt Cornelia Panzas.
Alles
von Silvia Faller , 22.9.2006, auf www.badische-zeitung.de lesen

 

 

Verein Opferperspektive - alltägliche Gewalt in Ostdeutschland

Alles nur Einzelfälle, aber am laufenden Band / Teils brutale Überfälle Rechtsradikaler in den neuen Bundesländern werden von der Polizei oft als “normale Schlägerei” abgetan

Rechte Gewalt ist längst Alltag in Ostdeutschland. Ein verprügelter Afrikaner in Wismar. Ein fast totgeschlagener Deutsch-Äthiopier in Potsdam. Das sind keine Ausnahmen, sondern die Regel im Osten Deutschlands. Man kriegt es nur nicht mit. In der Nacht zum Mittwoch verprügeln drei Männer im mecklenburgischen Wismar einen Afrikaner. Die mutmaßlichen Täter werden gefasst, die Polizei schließt einen ausländerfeindlichen Hintergrund nicht aus. Der Fall erlangte nur deshalb bundesweit öffentliche Aufmerksamkeit, weil zehn Tage zuvor in Potsdam ein aus Äthiopien stammender Deutscher fast zu Tode geschlagen wurde. “In der Regel” , beklagt Jonas Frickmann vom Verein “Opferperspektive” in Potsdam, “erlangen nur besonders schlimme Fälle das Interesse der Medien.” Und danach verschwinde so ein Fall nach drei Wochen wieder in der Versenkung. Die Brisanz des Themas rechte Gewalt werde gar nicht erkannt. “Angriffe finden hier Tag für Tag statt” , sagt er.

Frickmann nennt ein paar Beispiele, die sein Verein recherchierte. Sie betreffen nur den April 2006 und nur das Bundesland Brandenburg: 19. April, Rheinsberg: “Ein 16-jähriger Jugendlicher wurde kurz nach Mitternacht von zwei 16- und 20-jährigen Rechten mit der Faust geschlagen und mit Füßen getreten. Zudem wurde er aufgefordert, sich hinzulegen und in den Bordstein zu beißen, was er jedoch verweigerte.” Am Tag zuvor in Neuruppin: “Ein 25-jähriger Asylbewerber aus dem Tschad wurde gegen 19.20 Uhr in einem Bus von einem Rechten beschimpft, bespuckt und mit Schlägen bedroht.” 14. April in Wildau: “Drei Jugendliche wurden beim Osterfeuer von einer Gruppe von Rechten angegriffen und verletzt.” Am gleichen Tag in Eichwalde: “Eine Gruppe von fünf Jugendlichen wurde nach dem Osterfeuer in der Nähe des Bahnhofs aus einer Gruppe von Rechten angegriffen. Dabei erlitt eine junge Frau leichte Verletzungen am Auge.” Am 8. April in Potsdam: “Zwei 15- und 16-jährige Jugendliche wurden gegen 22 Uhr von vier Rechten im Alter von 15 bis 20 Jahren angegriffen und geschlagen. Auf dem Abmarsch riefen die Rechten ,Heil Hitler´ . ” Am gleichen Tag in Rathenow: “Gegen ein Uhr wurde ein 20-jähriger Mann vor der Kreissparkasse aus einer Gruppe von Mitgliedern der verbotenen Kameradschaft Sturm 27 tätlich angegriffen. Das Opfer wurde von vier Tätern derart zusammengeschlagen, dass er ein Hämatom im Auge erlitt, das stationär behandelt werden musste.” Tags zuvor in Rathenow: “Gegen 23.55 Uhr wurden drei linksorientierte Jugendliche von einer größeren Gruppe Rechtsextremisten angegriffen. Einer der drei Jugendlichen wurde so mit der Faust ins Gesicht geschlagen, dass seine Lippe aufplatzte und blutete.” Am 3. April in Henningsdorf: “Ein 16-jähriger Jugendlicher wird von zwei Rechtsextremisten im Flur seiner Schule geschlagen und getreten. Zahllose Schüler schauen zu und greifen nicht ein. Erst als Lehrer dazukommen, lassen die Rechtsextremisten von ihm ab.” Und so weiter und so weiter. “Und das ist nur das, was wir recherchieren konnten” , sagt Frickmann. Sein Verein habe noch ordnerweise Fälle, denen man aus Personalmangel gar nicht nachgehen könne. Anderswo sieht es kaum besser aus. “Es passiert dauernd etwas” , sagt Karl-Georg Ohse vom Beratungsteam mbt in Schwerin. “Vor allen Dingen an Wochenenden.” Die Polizei spiele solche Taten oft als normale Schlägereien herunter, um sich Scherereien und Arbeit zu ersparen. “Die Polizei deckelt.”
Südkurier vom 28.4.2006, www.suedkurier.de

Verein "Opferperspektive"
Die Opferperspektive ist ein in Potsdam ansässiger gemeinnütziger Verein, der sich für Opfer rechter Gewalt einsetzt.
www.opferperspektive.de

 

Gewalt im Klassenzimmer - Wenn Lehrer nicht mehr weiterwissen

Wessen Hirn nicht völlig vernebelt war von Gutmenschen-Faselei, 68er-Parolen und einem Beschwichtigungs-Journalismus - ja auch! - à la Spiegel -, der wusste seit Jahrzehnten, wohin die reise geht. So erbärmlich ist wohl noch nie eine Gesellschaft zugrunde gegangen - und so wohlverdient.

Spiegel Leserbrief von Kai M. Becker, Mönchengladbach, 9.4.2006

 

Parallelgesellschaften sind Realität und Integration ist Wunsch?

Nahed Selim, 52, ist gebürtige Ägypterin und lebt als Publizistin in den Niederlanden. In ihrem Buch "Nehmt den Männern den Koran!" nimmt sie Stellung zu einer neuen Theologie

Das in Deutschland wie in den meisten westlichen Ländern übliche multikulturelle Modell ist gescheitert. Es stellte an die Neuankömmlinge nur geringe Anforderungen, erlaubte ihnen aber im Gegenteil viele Freiräume für ihre Lebensweisen und ihre Sitten.

Nachdem ein großer Teil der Migranten daran gescheitert ist, sich die Sprache und Kultur der Aufnahmeländer zu eigen zu machen, haben die nicht abgelegten furchtbaren regionalen Bräuche wie Ehrenmorde, Zwangsehen, Frauenbeschneidung und häusliche Gewalt zur Bildung einer Art von Parallelgesellschaft geführt, zu Enklaven der Rückständigkeit und der Armut, die nur ganz wenige Berührungspunkte mit der demokratischen Mehrheitskultur haben.

Zwischen den beiden Denkweisen gibt es kaum Vermittlungen.

Nahed Selim in "Für eine neue Theologie", DER SPIEGEL vom 3.4.2006, mehr unter www.spiegel.de

 

Brief der Lehrer der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln

Berlin. Die Lehrer der Rütli-Hauptschule im Berliner Problembezirk Neukölln haben in einem einstimmig beschlossenen Brief einen Hilferuf an die Schulaufsicht gerichtet. Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert Auszüge aus dem Schreiben vom 28. Februar 2006:

" ... Der Gesamtanteil der Jugendlichen nicht deutscher Herkunft beträgt 83,2 %. ... In unserer Schule gibt es keine/n Mitarbeiter/in aus anderen Kulturkreisen. Wir müssen feststellen, dass die Stimmung in einigen Klassen zurzeit geprägt ist von Aggressivität, Respektlosigkeit und Ignoranz uns Erwachsenen gegenüber. Notwendiges Unterrichtsmaterial wird nur von wenigen Schüler/innen mitgebracht. ...

Werden Schüler/innen zur Rede gestellt, schützen sie sich gegenseitig. Täter können in den wenigsten Fällen ermittelt werden. ... In vielen Klassen ist das Verhalten im Unterricht geprägt durch totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten. Lehrkräfte werden gar nicht wahrgenommen, Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert. Einige Kollegen/innen gehen nur noch mit dem Handy in bestimmte Klassen, damit sie über Funk Hilfe holen können. Wir sind ratlos.

Wenn wir uns die Entwicklung unserer Schule ... ansehen, so müssen wir feststellen, dass die Hauptschule am Ende der Sackgasse angekommen ist und es keine Wendemöglichkeit mehr gibt. Welchen Sinn macht es, dass in einer Schule alle Schüler/innen gesammelt werden, die weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen, um ihr Leben sinnvoll gestalten zu können. ...

Die Schüler/innen sind vor allem damit beschäftigt, sich das neueste Handy zu organisieren, ihr Outfit so zu gestalten, dass sie nicht verlacht werden, damit sie dazugehören. Schule ist für sie auch Schauplatz und Machtkampf um Anerkennung. Der Intensivtäter wird zum Vorbild. Es gibt für sie in der Schule keine positiven Vorbilder. Sie sind unter sich und lernen Jugendliche, die anders leben, gar nicht kennen. Hauptschule isoliert sie, sie fühlen sich ausgesondert und benehmen sich entsprechend. Deshalb kann jede Hilfe für unsere Schule nur bedeuten, die aktuelle Situation erträglicher zu machen. Perspektivisch muss die Hauptschule in dieser Zusammensetzung aufgelöst werden zu Gunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung. ... (dpa)
Kompletter Brief auf www.morgenweb.de/aus_aller_welt/20060331_doku_schule.html vom 2.4.2006

 

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